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Star Trek: Kennedy
8. Vier schrecklich nette Passagiere

Version 0.1, 31.03.2001

Korrigiert nach der neuen Rechtschreibung.

© Copyright 1999-2001 Andreas Drechsler. Alle Rechte vorbehalten.

E-Mail: ADrechsler@gmx.net

Homepage: http://beam.to/USSKennedy

1

Logbuch der Kennedy, Sternzeit 21844.3, Commander Spencer: [04.11.2344 14:18:03]:

Nachdem wir die Skate wieder im Epsilon Aurigae-System abgeliefert haben, sind wir nach mehrtägigem Flug bei Außenposten 59 nahe der cardassianischen Grenze eingetroffen. Da wir einige Tage lang mit Warp 7 fliegen mussten, war es unausweichlich, den Energieausstoß des Hauptreaktors wegen Überlastung einiger Energieleitungen zu drosseln. Ein Dockaufenthalt auf einer Sternenbasis ist für die nahe Zukunft unabdingbar.

„Hwang, verlangsamen Sie auf Impulskraft. Bereiten Sie den Anflug auf den Außenposten vor, Mr. Terk, ein Scan der Umgebung!“, ordnete Lemois an, während Spencer seinen Logbucheintrag vornahm.

„Ja, Commander“, reagierte Terk.

Spencer, der es inzwischen aufgegeben hatte, diese Kommandos in Anwesenheit von Lemois selber geben zu wollen, fügte mit einem Funken Resignation hinzu: „Bringen Sie den Außenposten auf den Schirm.“

Außenposten 59 umkreiste den einzigen, kleinen Planeten des Delta Veben-Systems und beobachtete mit im Asteroidengürtel des Systems eingelassenen Sensorenphalanxen die nahe gelegene cardassianische Grenze. Eine weitere Aufgabe war die Verteidigung des Föderationsgebietes mit ebenfalls im Asteroidenfeld versteckten Phaserbanken gegen etwaige cardassianische Angreifer. Die Station selbst verfügte über eine Besatzung von elf Leuten.

„Was ist denn da los?“, entfuhr es Lemois, als sie auf dem Hauptschirm drei größere Schiffe die Basis umkreisen sah.

„Es scheint, als wären wir nur ein Schiff unter vielen“, antwortete Spencer trocken.

„Sir, ist das nicht gefährlich, vier Schiffe so nahe an der Grenze zu stationieren?“, fragte Karov. „Wenn die Cardassianer davon Wind kriegen... könnten sie vielleicht überreagieren“, überlegte sie laut.

„Das glaube ich nicht“, machte sich Terk bemerkbar. „Ein Sensorendämpfungsfeld ist aktiv und wird einen genaueren Langstreckenscan dieses Systems undeutlich erscheinen lassen. Bei den Schiffen handelt es sich um die U.S.S. Roswell, NCC-31947, U.S.S. Najade, NCC-27776 und die U.S.S. Everest, NCC-19512.“

„Eine nette kleine Streitmacht“, murmelte Lemois.

„Dann finden wir mal heraus, was man von uns will. Öffnen Sie einen Kanal zum Außenposten!“

„Sie können sprechen, Captain“, antwortete Terk prompt.

„Hier spricht Commander Robert Spencer von der U.S.S. Kennedy. Außenposten 59, bitte kommen.“

„Hier spricht Captain Ahrlé. Das wurde auch Zeit, Captain. Sobald Sie in Transporterreichweite sind, beamen Sie und ihr Erster Offizier an Bord. Koordinaten werden übermittelt. Ahrlé Ende.“

„Was ist das denn für eine Begrüßung?“, knurrte Spencer. „Wann sind wir in Transporterreichweite?“, erkundigte er sich, jetzt wieder in normalem Ton.

„In fünfundvierzig Sekunden“, antwortete Hwang.

Spencer wandte sich an Lemois. „Dann würde ich vorschlagen, dass wir uns auf den Weg machen. In fünfundvierzig Sekunden werden wir bestimmt im Transporterraum sein und Captain Ahrlé hat es scheinbar sehr eilig.“

Irritiert stand Lemois auf und folgte Spencer zum Turbolift.

„Miss Hwang, Sie haben die Brücke!“, rief Spencer, bevor sich die Lifttüren vor ihm schlossen. „Deck 4!“

„Was halten Sie davon?“, fragte Lemois. „Wir werden ohne genauere Informationen hierhin beordert, mussten unterwegs sogar auf Warp 7 beschleunigen und der Kommandant des Außenpostens meldet sich ohne Bild.“

„Sehr merkwürdig, da stimme ich Ihnen zu“, meinte Spencer beim Durchschreiten der sich wieder vor ihm öffnenden Lifttüren. „Aber in schätzungsweise dreißig Sekunden werden wir mehr wissen.“

„Na, hoffentlich.“ Lemois schien nicht so ganz überzeugt.

Sie betraten den Transporterraum. „Wir sind gerade in Transporterreichweite, Captain. Ich habe die Koordinaten“, gab Chief Sisota bekannt.

Spencer und Lemois stellten sich auf die Plattform und hielten sich bereit. „Energie!“

Sie materialisierten direkt in einem Raum, den sie schnell als das große Büro des Stationsleiters identifizierten. Captain Ahrlé saß mit gefalteten Händen hinter seinem Schreibtisch, außer Spencer und Lemois waren sechs weitere Personen im Raum. Eine geheimnisvolle Atmosphäre lag über dem Raum, niemand wagte auch nur ein überflüssiges Geräusch zu verursachen, bis er begann: „Willkommen auf Außenposten 59. Ich danke Ihnen allen für Ihr Kommen. Mein Name ist Francois Ahrlé, Kommandant dieses Außenpostens und Sektorbevollmächtigter für Spezialoperationen von der Sicherheitsabteilung der Sternenflotte. Darf ich der Reihe nach vorstellen: Captain Mroo und Commander Ludwig von der Everest“ - er wies auf einen malurianischen und einen menschlichen Mann, beide mittleren Alters - „ Captain Kong und Commander T'Setik von der Roswell“ - ein bereits ergrauter Asiate und eine jüngere vulkanische Frau verbeugten sich leicht - „Captain Medon und Commander Keough von der Najade“ - dieses Mal zeigte Ahrlé auf eine bolianische Frau und einen menschlichen Mann - „und schließlich Captain Spencer und Commander Lemois von der Kennedy.“

Spencer nickte knapp, während Lemois ein ruhiges, freundliches „Hallo“ begleitet von einem angedeuteten Lächeln in die Runde warf. Sie war mit Abstand die jüngste in der Runde und fühlte sich nach diesem einen befreienden Wort bedeutend besser. Selbst Spencer und T‘Setik, die sie in etwa ein und die selbe Altersklasse einordnete, waren nach Lemois' Schätzung um einiges jünger als die restlichen Anwesenden.

„Nehmen Sie Platz.“ Ahrlé wies auf acht in Zweiergruppen zusammenstehende Stühle, die Offiziere taten wie geheißen. Ahrlé drückte auf einen Knopf, daraufhin teilte sich die Wand hinter ihm und erlaubte den Blick auf eine Karte des umliegenden Weltraumes, die mit allerlei Markierungen versehen war. Dieses Büro war mit allen Finessen ausgestattet und war keine Standardausführung, das war Spencer spätestens jetzt klar. Er wechselte einen geheimnisvollen Blick mit Lemois.

Ahrlé fuhr mit seinen Erklärungen fort: „Sie fragen sich sicherlich, warum ich Sie hierher bestellt habe. Seit einiger Zeit beobachtet die Sternenflotte ungewöhnliche Aktivität in cardassianischem Raum, genauer gesagt, im Bereich des Zautarc-Nebels.“ Er ließ einen speziellen Bereich der Karte aufleuchten.

„Das ist doch der Bereich, wo die Clemenceau...“, flüsterte Lemois Spencer zu, brach dann aber ab, als Spencer sich nicht rührte oder rühren wollte und konzentrierte sich wieder auf die Ausführungen Ahrlés.

„Ihre erste Aufgabe wird es sein, unbemerkt von den Cardassianern in diesen Bereich des Weltraumes vorzustoßen und ihre Patrouillen abzulenken. Im Zielgebiet selbst gilt es herauszufinden, ob es einen Stützpunkt von Kollaborateuren gibt, die mit den Cardassianern zusammenarbeiten. Maßgeschneiderte Legenden, Missionspläne und Geheimdienstberichte wurden vorbereitet. Falls sie verdächtige Aktivitäten bemerken, sind diese natürlich mit sofortiger Wirkung nachhaltig zu unterbinden.“ Ahrlé legte eine kurze Pause ein, um seine dargebotenen Informationen wirken zu lassen.

„Noch etwas müssen sie wissen“, begann er wieder. „Die Mission ist rein freiwillig. Sie sind nicht dazu verpflichtet, teilzunehmen und es wird Ihnen auch keiner verdenken, wenn Sie ablehnen. Es ist fraglos gefährlich. Sollten Sie scheitern oder gefangen genommen werden, wird die Sternenflotte jegliche Verantwortung ablehnen. Dies ist eine Spezialoperation, die nicht von der Sternenflotte direkt, sondern von der Sicherheitsabteilung in Zusammenarbeit mit dem Geheimdienst geleitet wird. Sie müssen sich nicht jetzt entscheiden, wenn Sie Bedenkzeit brauchen, sagen Sie es ruhig. Sie wissen, um was es geht.“ Ahrlé gab durch eine unzweideutige Geste zu verstehen, dass er geendet habe.

Captain Mroo stand auf und sagte: „Ich melde mich freiwillig.“ Medon folgte seinem Beispiel prompt. Kong beriet sich kurz mit T'Setik und sagte ebenfalls „Ich melde mich auch.“

Alle Blicke ruhten nun auf Spencer, der einen unbestimmten Punkt an der Wand fixierte und nachdachte. Lemois bedachte ihn nach einigen gespannten Sekunden mit einem sanften Rippenstoß, Spencer löste sich daraufhin aus seiner Erstarrung. „Diese Mission ist rein freiwillig?“, fragte er. Ahrlé nickte.

„Dann lassen wir es“, sagte er ruhig, aber bestimmt. Lemois sah ihn überrascht an und musste sich sichtbar beherrschen, Spencer nicht lautstark zu widersprechen.

Spencer fuhr fort, seine Entscheidung zu erklären: „Die Kennedy ist mit Abstand das kleinste Schiff von den hier versammelten, dazu haben wir ständige Probleme mit dem Warpantrieb und unsere Kampfkraft im Moment beträgt 85% des geforderten Niveaus. Auch wenn wir sicherlich einen guten Beitrag zu dieser Mission leisten könnten, schätze ich die Chance für ein Überleben meines Schiffes als zu gering ein. Und als Captain bin ich primär für das Wohl meiner Mannschaft verantwortlich, dieses würde hier mehr gefährdet, als ich es vertreten könnte. Ich bedaure, Captain Ahrlé, aber mein Entschluss steht.“

„Wie sie meinen, Captain“, nahm Ahrlé die Entscheidung Spencers alles andere als erfreut zur Kenntnis. „Ich muss ihren Entschluss akzeptieren. Sie erhalten einen anderen Auftrag, der in Kürze an ihr Schiff übermittelt wird. Ich darf Sie weiterhin daran erinnern, dass diese Unterredung hier geheim war und dass kein Wort nach außen dringen darf. Wegtreten!“

Spencer tippte auf seinen Kommunikator. „Spencer an Kennedy! Zwei Personen zum Beamen!“ Er verzog keine Miene, obwohl er sich unter strengster Beobachtung von acht Personen wusste.

Zwei Sekunden später lösten sich Lemois und er im Funkenregen des Transporters auf und materialisierten wieder im Transporterraum der Kennedy. Gleich nachdem sie den Raum verlassen hatten und außer Hörweite von Chief Sisota waren, zischte eine innerlich brodelnde Lemois: „Ich würde Sie gerne sofort unter vier Augen sprechen, Captain!“

„Natürlich. Sobald wir zu unserem neuen Auftrag unterwegs sind“, erwiderte Spencer ruhig. Er wollte im Sinne der eigenen Selbsterhaltung Lemois die Gelegenheit geben, sich einige Minuten lang zu beruhigen. Im Turbolift, der sie zur Brücke zurückbrachte, konnte er die innere Anspannung von Lemois, die hinter ihm stand, deutlich spüren.

„Wir sind wieder zurück, Lieutenant“, machte sich Spencer bemerkbar, nachdem er die Brücke wieder betreten hatte. Noch bevor Hwang ihren Platz im Kommandosessel für Spencer räumen konnte, fragte dieser: „Ist inzwischen eine Nachricht eingegangen?“

„Ja, Captain. Gerade eben“, antwortete Terk. „Wir werden angewiesen, zur Heimatwelt der Torquani zu fliegen, um vier Botschafter zu einer Konferenz auf Dedra IV zu transportieren. Wir sollen außerdem zwei Gäste an Bord beamen und zu einem Rendezvous mit der Cold Wind bringen.“

„Dann tun sie das“, ordnete Spencer an. „Wir verlassen das System nach dem Transport mit voller Impulskraft. Berechnen Sie einen Kurs und beschleunigen Sie auf Warp 6, wenn bereit. Und sorgen Sie dafür, dass unsere Gäste es nett haben, wer auch immer das sein mag. Ich kümmere mich später um sie.“

Hwang nickte. „Was wurde denn besprochen?“

„Ich kann ihre brennende Neugier leider nicht befriedigen, die Unterredung war geheim. Commander, folgen Sie mir.“ Spencer ging voraus zu seinem Bereitschaftsraum in Erwartung einiger harscher Worte von Lemois.

Sie hatte noch nicht einmal gesessen, da begann sie bereits. „Captain, war das nötig? In dieser Form? Sie haben sich... uns... praktisch bloßgestellt vor den anderen Offizieren!“, ereiferte sie sich. Dabei wurde sie mit Sicherheit ein paar Dezibel zu laut. „Warum?“

„Warum?“, wiederholte Spencer, obwohl er genau wusste, was Lemois meinte. „Mir ist ehrlich gesagt egal, was die anderen von mir denken. Captain Ahrlé hat gesagt, dass der Einsatz freiwillig sei. Er hat mich gefragt, wenn man mich fragt, gehe ich davon aus, dass man mir eine Wahl lässt. Und ich habe die Wahl getroffen, die mir am vernünftigsten schien.“

„Vernünftig? Was glauben Sie, warum wurden wir zu dieser Besprechung gerufen? Man hat fest mit uns gerechnet, auf uns vertraut, und jetzt? Vier Schiffe hätten eine wesentlich größere Chance gehabt, die Mission durchzuziehen als drei! Und was machen Sie?“ Bei den letzten vier Worten steigerte sie ihre ohnehin schon übersteigerte Lautstärke noch um einiges.

„Haben Sie den Schiffsleistungsbericht von heute morgen gesehen?“, konterte Spencer. „Ein paar Prozent Reaktoroutput weniger und wir könnten uns gleich als nicht einsatzfähig melden. Im Vergleich zu den drei anderen Kreuzern sind wir ohnehin unterbewaffnet, und bei dem momentanen Zustand des Warpantriebs können wir unseren eigentlichen Vorteil, unsere Wendigkeit und Geschwindigkeit, nicht ausspielen. Und außerdem, Commander, schreien Sie nicht so rum. Man könnte Sie draußen hören.“

„Ach? Auf einmal interessiert es sie doch, was die anderen denken?“ Lemois ignorierte Spencers Aufforderung, leiser zu werden und ließ ihrem Ärger freien Lauf.

„Jetzt reicht's aber!“ Lemois hatte es geschafft, auch Spencer war jetzt wütend. „Wenn Sie später Captain sind, können Sie tun und lassen was Sie wollen! Im Moment jedoch finden Sie sich damit ab, dass noch immer ich die Entscheidungen für Sie und alle anderen hier treffe. Wir haben unseren neuen Auftrag, die Sache ist damit erledigt. Wegtreten, Commander!“

Lemois funkelte Spencer noch ein, zwei Sekunden an, dann trat sie ihren Rückzug an. Bei ihrem Abgang erhielt Spencer den Eindruck, als hätte sie am liebsten die Türe zu seinem Bereitschaftsraum lautstark zugeworfen, aber das ging ja dank der sich automatisch öffnenden und schließenden Türhälften nicht.

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(Fortsetzung folgt...)

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