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Star Trek: Kennedy
2. Die Friedensmission

Version 1.4, 30.11.1999

Korrigiert nach der neuen Rechtschreibung.

© Copyright 1998, 99 Andreas Drechsler. Alle Rechte vorbehalten.

E-Mail: ADrechsler@gmx.net

Homepage: http://beam.to/USSKennedy

1

Logbuch der Cousteau, Sternzeit 21154.3: Commander Spencer: [25.02.2344 11:22:16]

Auf unserem Weg zum FGC-38-Nebel haben wir einen Notruf des Schiffes Namib empfangen, dem wir nachgehen werden.

„Wann treffen wir mit der Namib zusammen?“, fragte Spencer.

„In knapp fünf Minuten“, antwortete Hwang.

„Funkkontakt?“

„Immer noch nichts. Ich versuche es weiter“, gab H'Korr bekannt.

„Was sagen die Langstreckensensoren?“

„Sie bestätigen die Namib, NCC-27562, ein Transportschiff der Andor-Klasse. Sie haben im Raum angehalten, ich erkenne Schäden an der Außenhülle sowie Schwankungen bei den Energieverteilung. Sechsunddreißig Lebensformen sind an Bord“, berichtete Thola.

„Na immerhin.“ Spencer hatte sich informiert, das war die Standardbesatzung für ein Schiff der Andor-Klasse. Kein allzu schlechtes Zeichen also...

„Ich habe ein schwaches Signal von der Namib!“, meldete H'Korr erfreut nach kurzer Zeit.

„Auf den Schirm!“

Von Statik durchzogen war ein schemenhaftes Bild einer Brücke auf dem Hauptschirm zu erkennen.

„Hier ist das Föderations... Namib. Können S... empfangen?“ Die Tonqualität stand der Bildqualität in nichts nach, musste Spencer feststellen.

„Besserer Empfang ist nicht drin?“, fragte er H'Korr, die verneinte. Dann wandte er sich dem Hauptschirm zu, H'Korr aktivierte den Audiokanal.

Namib! Hier ist die U.S.S. Cousteau. Wir sind unterwegs zu ihrer Position. Wie ist ihre Lage?“ Spencer hoffte, dass seine Sätze nicht ebenso verstümmelt auf der Namib zu hören wären.

Nach einigen bangen Sekunden war eine Antwort zu hören, die ersten Sekunden gingen in Statik unter. „...kritisch. Wir wurden von ...griffen. Antrieb versagt, keine...“ Nach weiteren fünf Sekunden Rauschen, ohne dass ein verständliches Wort zu hören war, brach H'Korr die Verbindung auf ein Kopfschütteln Spencers ab.

„Das bringt nicht viel“, konstatierte er. „Mr. Thola, stellen Sie ein Rettungsteam zusammen und halten sie sich im Transporterraum bereit. Sobald wir unter Warp sind, gehen Sie an Bord der Namib und sehen, wie sie ihnen helfen können.“

„Verstanden.“ Thola beorderte den Chefingenieur Sanchez, den Sicherheitschef Coreman und die Schiffsärztin M'Boya in den Transporterraum, dann verließ auch er die Brücke. Sein Stellvertreter Hellmann kam aus dem Turbolift heraus und nahm den Platz an der Wissenschaftsstation ein.

„Wir nähern uns der Namib“, gab Hwang nach kurzer Zeit bekannt.

„Gehen Sie unter Warp, bringen Sie uns in Transporterreichweite. Auf den Schirm!“

Hwang brachte die Cousteau mit Hilfe des Navigationscomputers in wenigen Sekunden von vielfacher Lichtgeschwindigkeit zum Stillstand, genau fünfunddreißigtausend Kilometer entfernt von der Namib.

Auf dem Hauptschirm erschien das Bild des Schiffes, nur wenige Fenster waren erleuchtet, auch die Positionslampen waren verloschen. Außerdem waren einige versengte Stellen an der Hülle zu erkennen.

„Transporterraum, Energie!“


Im Transporterraum hörte Thola die Durchsage Spencers und brach die Einweisung von Sanchez, Coreman und M'Boya ab. „Energie!“

Chief Sisota bediente die Regler des Transporters und die vier Offiziere verschwanden von der Transporterplattform auf der Cousteau, um auf der nur von dem flackerndem Licht einiger Monitore erhellten Brücke der Namib zu rematerialisieren. Eine Gruppe von vier Offizieren stand in einer Ecke und diskutierten aufgeregt.

Coreman und M'Boya aktivierten ihre Tricorder, letztere eilte gleich einem gekrümmt am Boden liegenden Crewmitglied zu Hilfe.

Ein Bolianer mit den Abzeichen eines Commanders ging einige Schritte auf Thola zu.

„Ich bin Lt. Commander Thola von der Cousteau. Wir haben ihren Notruf aufgefangen. Was ist passiert?“

„Commander Desac, kommandierender Offizier der Namib“, stellte sich der Bolianer vor. „Wir waren auf diplomatischer Mission im Kaus-System, als wir angegriffen wurden. Es gelang uns trotz der Schäden zu fliehen, der Warpantrieb hat bis hierhin durchgehalten. Wir sind dankbar für ihre Hilfe.“ Desac klang erstaunlich gefasst.

„Keine Ursache. Konnten sie den Angreifer identifizieren? Ist er ihnen gefolgt?“, fragte Thola weiter.

„Wir wissen genau, wer uns angegriffen hat, die ganze Sache ist ein bisschen kompliziert. Gefolgt ist uns niemand. Wir sollten uns jetzt vorrangig um die Versorgung der Verletzten kümmern und den Warpantrieb wieder reparieren, damit wir aus eigener Kraft weiterfliegen können.“

„Deshalb sind wir hier“, bestätigte Thola.


Zwei Stunden später versorgte ein Energietransferstrahl der Cousteau die Namib mit Energie, Sanchez‘ Ingenieure arbeiteten mit Hochdruck zusammen mit den Ingenieuren der Namib an der Wiederherstellung des Warpreaktors und M'Boyas Krankenstation leerte sich nach und nach, es waren nur noch wenige Crewmitglieder der Namib zur Beobachtung dort.

Spencer hatte sich gerade auf die Brücke der Namib beamen lassen, dort erinnerte nur noch wenig an ein zurückliegendes Gefecht. Er betrat den Bereitschaftsraum des Captains, dort wartete Desac bereits auf ihn.

„Captain Spencer, ich freue mich, dass sie da sind. Nehmen Sie Platz“, begrüßte ihn dieser.

„Die Reparaturen gehen gut voran?“, fragte Spencer.

Desac nickte. „Ja. Sie haben sehr gute Ingenieure, wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf.“

„Danke. Sie wollten mich wegen des Grundes für die... Attacke auf ihr Schiff sprechen?“

„Ja, Captain. Seit einer Woche befinden sich die Andorianer mit den Tzenkethi im Krieg. Streitobjekt und bisher einziger Kampfschauplatz ist das Kaus-System, bisher unter andorianischer Kontrolle, aber an der Grenze zum Tzenkethi-Reich. Wir haben eine Delegation von Diplomaten der Föderation dorthin transportiert, um auf Bitten der Andorianer zwischen den beiden Kriegsparteien zu vermitteln. Anfangs lief alles gut, mit Unterstützung von andorianischen Einheiten errichteten wir ein provisorisches Konferenzgebäude, als wir plötzlich von mehreren Raketen beschossen wurden. Da wir die Quelle nicht orten konnten, blieb uns nichts anderes übrig, als zu fliehen. Die Diplomaten mussten wir auf dem fünften Planeten zurücklassen, ihr momentanes Schicksal kennen wir nicht. Bei dem Angriff wurde unserer Subraumfunk beschädigt, daher war es uns bisher nicht möglich, die Sternenflotte zu informieren.“

Spencer brauchte einige Sekunden, um die Schilderungen Desacs zu verarbeiten. „Verstehe. Ich werde die Sternenflotte kontaktieren und um Instruktionen bitten. Können wir ihnen sonst noch helfen?“

„Danke für das Angebot, Captain, aber der Warpantrieb wird spätestens in einer halben Stunde wieder funktionieren und alles andere werden wir auf der nächstgelegenen Basis erledigen lassen.“ Aus irgendeinem Grund war es Desac unangenehm, überhaupt die Hilfe von der Cousteau in Anspruch zu nehmen, da er aber auf sie angewiesen war, versuchte er sie auf ein Minimum zu beschränken.

„Wie sie wünschen, Captain“, verabschiedete sich Spencer. „Ich werde jetzt auf mein Schiff zurückkehren.“

Er verließ den Bereitschaftsraum Desacs und bat um Rücktransport auf die Cousteau. Er begab sich in den Konferenzraum und ließ H'Korr eine Verbindung zu Admiral Paris aufbauen. Nach wenigen Sekunden erschien das wohlbekannte Bild von Paris auf dem Sichtschirm.

„Commander Spencer? Was gibt es?“, begann Paris.

„Wir haben einen Notruf von der Namib erhalten und gewähren ihnen gerade die notwendige Unterstützung.“ Er schilderte Paris die Umstände, die zur momentanen Situation geführt hatten, in ähnlich knappen Worten wie Desac vorhin. „Ich bitte um Anweisungen“, schloss Spencer.

„Verstehe, Commander. Wir hatten uns auch schon gefragt, warum sich die Namib nicht mehr meldet. Warten sie einen Augenblick.“

Das Emblem der Sternenflotte ersetzte Paris auf dem Bildschirm, darunter konnte Spencer den Schriftzug ‚Bitte warten‘ ablesen. Nach einigen Sekunden hatte Paris die Verbindung reaktiviert.

„Sie werden die Aufgaben der Namib übernehmen, das heißt, sie fliegen ins Kaus-System, befreien die Diplomaten und finden einen alternativen Verhandlungsort. Und seien sie vorsichtig“, bestimmte Paris.

„Sir, die Andorianer sind doch Föderationsmitglieder. Sollte nicht eine Flotte von Schiffen den Tzenkethi zeigen, dass sie besser auf ihrer Seite der Grenze geblieben wären?“, fragte Spencer verunsichert von der Direktheit, mit der Paris ihm gerade den Auftrag erteilt hatte.

„Ich weiß, dass Missionen wie diese nicht unbedingt auf der Prioritätenliste für Schiffe wie Ihres stehen. Und ich weiß auch, dass eine Machtdemonstration den Tzenkethi gegenüber nicht schaden könnte. Das Problem ist nur, dass die Fünfte Flotte verstärkt die cardassianische Grenze patrouilliert und andere Schiffe im Moment außer Reichweite sind. Die Cousteau ist das nächste, verfügbare Schiff, der Ball geht an Sie, Spencer!“

„Also schön. Wir werden sehen, was wir tun können.“

„Gut, Commander. Das wär's.“

Paris hatte die Verbindung getrennt, das Emblem der Sternenflotte zierte den Sichtschirm, dieses Mal mit dem Vermerk ‚Übertragung beendet‘. Spencers Mundwinkel zuckten unschlüssig, als er den Raum wieder verließ.


2

Logbuch der Cousteau, Sternzeit 21154.6: Commander Spencer: [25.02.2344 14:00:23]

Die Namib hat ihre Warpfähigkeit zurückerlangt, auch ihr Antimateriereaktor funktioniert wieder stabil. Nachdem ihre medizinische Abteilung alle Verletzten wieder übernommen hat und unsere Ingenieure an Bord zurückgekehrt sind, fliegen wir weiter ins Kaus-System.

„Sanchez an Brücke! Wir alle sind wieder an Bord. Die Reparatur war nicht unbedingt einfach, es gibt aber keine Probleme“, meldete der Intercomlautsprecher in der Armlehne von Spencers Kommandosessel.

„Danke, Mr. Sanchez. Das war gute Arbeit.“

„Ich mag nunmal Herausforderungen“, stellte Sanchez fest.

Spencer musste schmunzeln. „Können wir den Energietransferstrahl gefahrlos trennen?“

„Sicher.“

„Dann deaktivieren Sie ihn und halten sich bereit für den Weiterflug.“

„Verstanden.“

Spencer schloss den Kanal zum Maschinenraum.

„Sir, eine Nachricht von der Namib!“

„Auf den Schirm!“

Dieses Mal zeigte der Hauptschirm ein wesentlich klareres Bild der Brücke der Namib, Spencer konnte Desac problemlos verstehen.

„Gerade wurde das letzte Crewmitglied zurückgebeamt“, gab dieser bekannt. „Wir danken nochmals für Ihre Hilfe, Captain Spencer. Viel Glück im Kaus-System!“

„Danke, Captain Desac. Ich wünsche Ihnen einen sicheren und ruhigen Flug zurück zur Sternenbasis. Cousteau Ende.“

Auf dem Hauptschirm konnte Spencer verfolgen, wie die Namib langsam wendete und mit einem Mal auf Warpgeschwindigkeit ging.

„So, hier sind wir fertig?“, fragte Spencer halb rhetorisch.

„Ich denke schon“, antwortete Thola vorsichtshalber, da er sich nicht sicher war, ob die Frage an ihn oder an niemanden gerichtet war.

„Dann setzen Sie Kurs auf das Kaus-System, Miss Hwang, Warp 5!“

„Aye, Sir. Wir werden etwa vier Tage unterwegs sein“, meldete sie ungefragt.

Spencer nickte ihr zu, sie beschleunigte das Schiff.

Er lehnte sich in seinen Kommandosessel zurück und dachte über die bevorstehende Mission nach. Dass eine diplomatische Delegation widerrechtlich festgehalten wird, noch dazu eine offizielle Föderationsdelegation, war schon eine sehr lange Zeit nicht mehr vorgekommen. Er aktivierte das Intercom: „Maschinenraum!“

„Sanchez hier.“

„Was gab's denn gestern beim Subraumgespräch mit der Konstruktionsabteilung?“

Sanchez hatte sich gestern bei zuständiger Stelle über mögliche Gründe für ihre kürzlichen Traktorstrahlprobleme erkundigt und ihn interessierte als Captain natürlich das Ergebnis.

„Nichts Besonderes, Sir. Sie werden die Sache in Ruhe überprüfen. Wir können also dieses Jahr noch mit einer Modifikation rechnen“, antwortete Sanchez leicht genervt. „Übrigens, wir basteln hier gerade an einer behelfsmäßigen Überbrückung. Sollten Sie den Traktorstrahl benutzen wollen, warnen Sie uns bitte vor.“

„Alles klar, Mr. Sanchez. Spencer Ende“, sagte er und deaktivierte das Intercom.


Vier Stunden später versammelten sich die Abteilungsleiter im Lageraum, um sich mit der Situation vertraut zu machen. Thola, der in den letzten Stunden mit umfangreichen Recherchen beschäftigt war, kam als letzter und meldete: „Mr. Sanchez lässt sich entschuldigen.“

Spencer drehte sich um und sagte: „Sanchez, gut. Er lässt sich nunmal ungern bei seinen Basteleien stören. Ich kenne das. Na ja, dann muss er halt mit dem Protokoll dieses Meetings vorlieb nehmen.“ Er deutete ein Lächeln an und nickte Thola zu, der sich setzte.

„Schießen Sie los, Mr. Berger!“ Thola hatte sich angewöhnt, den jungen Fähnrich Berger für die Vorträge einzuspannen und Berger seinerseits war immer mit Feuereifer bei der Sache.

„Aye, Sir. Also...“, Berger legte eine Vektorgrafik des Kaus-Systems auf den Sichtschirm im Besprechungsraum. „Das Kaus-System ist eines der wenigen Planetensysteme, das zwei Klasse-M Planeten besitzt. Auf dem fünften Planeten ließen die Diplomaten ein provisorisches Verhandlungsgebäude errichten, in dem sich Vertreter beider Parteien treffen sollten. Die Andorianer halfen beim Bau aktiv mit, mit der Tzenkethi-Führung konnte allerdings kein Kontakt aufgenommen werden.“

„Wie kam es eigentlich zu dem Konflikt?“, fragte Lt. H'Korr.

„Aufgrund der benachbart liegenden Territorien der Andorianer und der Tzenkethi und der... naturgegebenen Kriegslüsternheit beider Völker waren auch in der Vergangenheit Konflikte zwischen beiden Parteien nicht selten. Durch den Föderationsbeitritt der Andorianer kamen die Streitigkeiten weitestgehend zum Erliegen. Weitestgehend insoweit, als dass Auseinandersetzungen meist diplomatisch geregelt wurden, soweit es eben zwischen diesen beiden Völkern möglich war. Nun aber...“

Hier aber wurde sein Redefluss vom Aufheulen der Alarmsirene unterbrochen. Das Intercom fiepte: „Brücke an Captain Spencer!“

Spencer schritt zum Intercom. „Hier Spencer. Was ist los? Wieso haben Sie Alarm Gelb gegeben?“

„Sir, die Sensoren melden ein nicht näher identifizierbares Objekt. Würden Sie bitte auf die Brücke kommen?“, bat ein leicht beunruhigter Hellmann.

„Bin schon unterwegs“, antwortete Spencer dem Intercom. Er wandte sich den Anwesenden im Besprechungsraum zu. „Gehen Sie auf ihre Posten. Wir setzen die Konferenz später fort.“

Spencer, Thola, H'Korr, Coreman, M'Boya, Hwang und Berger kehrten durch die Tür auf die Brücke zurück und lösten ihre Vertreter an ihren Stationen ab beziehungsweise hielten sich im hinteren Bereich der Brücke auf.

„Was haben Sie denn, Mr. Hellmann?“

Hellmann, der inzwischen zusammen mit Thola an der Wissenschaftskonsole stand, antwortete: „Die Ergebnisse des letzten Scans: Masse: unbekannt, Zusammensetzung: unbekannt, Aggregatzustand: gasförmig, Kurs 231.021, Geschwindigkeit Warp 1.1!“

„Sie wollen mir also erzählen, dass wir soeben eine Gaswolke entdeckt haben, die mit Warpgeschwindigkeit den Raum durchquert? Wo will die hin, und wichtiger, wo kommt die eigentlich her?“ Spencer hatte noch nicht ganz gesessen und war sofort wieder aufgestanden, um sich an der Wissenschaftsstation selbst ein Bild zu machen.

„Die Wolke kommt aus dem Menkent-System, hält konstant ihre Geschwindigkeit von Warp 1.1 und hat Kurs auf...“, er betätigte schnell einige Regler, „auf nirgendwo, Sir“, beendete er verdutzt seinen Satz.

„Wo ist denn nirgendwo, Mr. Hellmann?“, fragte Spencer belustigt von der Verwirrung seines Wissenschaftsoffiziers.

„Sehen Sie hier, Sir.“ Er legte die Kursgrafik auf den Hauptschirm. „Wenn die Wolke ihren Kurs beibehält, wird sie in ca. 1200 Jahren die große Barriere am Rand der Galaxis erreicht haben. Sie steuert auf kein bestimmtes Sternensystem zu.“

Spencer schüttelte den Kopf und setzte sich wieder. „Das ergibt doch keinen Sinn“, stellte er fest.

„Abfangkurs berechnen, Sir?“, fragte Hwang eifrig.

„Tja, ist nun eine Gaswolke mit Warpgeschwindigkeit wichtiger als eine Gruppe von Diplomaten?“, fragte Spencer laut.

„Die Scanner zeigen zwar an, dass dies eine Gaswolke zu sein scheint, es ist aber nicht erwiesen, dass es auch so ist. Es kann genauso gut ein anderes Phänomen sein, welches unsere Scanner als Gaswolke klassifizieren. Zumal eine Gaswolke mit Warpgeschwindigkeit eine physikalische Unmöglichkeit darstellt“, sagte Thola, der sich neben Hellmann an die Konsole gesetzt hatte und sich einen schnellen Überblick verschafft hatte.

„Miss Hwang: Gesetzt der Fall, wir würden einen Abfangkurs berechnen, wie lange würde uns die Untersuchung aufhalten?“

„Es wäre ein Umweg von wenigen Minuten, Sir, wenn die Wolke ihre Geschwindigkeit nicht ändert.“

„Ich bezweifle, dass sie das tun wird“, sagte Spencer und fügte nach kurzem Zögern hinzu: „Alles klar. Gehen Sie auf Abfangkurs, Alarmstufe Gelb bleibt in Kraft. Mr. Thola: Sensoren auf Maximum. Und auf den Schirm mit der Wolke!“

Auf dem Schirm erschien in der Mitte ein diffuses Objekt.

„Vergrößern!“

Der Schirm flackerte und es war deutlich etwas zu sehen, was, nun ja, was eben wie eine Gaswolke aussah, die deutlich fluktuierte, wahrscheinlich ein Nebeneffekt ihrer Reise durch den Subraum.

„Mr. Thola: Scannerdaten!“, sagte Spencer zum fasziniert auf seine Sensoranzeigen blickenden Wissenschaftsoffizier. „Mr. Thola!“ wiederholte er, als Thola nichts erwiderte. „Moment, Sir, ich erhalte weitere Daten: Zusammensetzung: 40% Neon, 34% Helium, 21% Methan. Weitere 5% sind unbekannt. Volumen: 39.300 km³, keinerlei Muster, keine Hinweise auf intelligentes Leben.“

Spencer starrte auf die Wolke auf dem Sichtschirm und fragte dann: „Also gäbe es nichts, was eine weitere Untersuchung rechtfertigen würde?“

„Nein, Sir, abgesehen von der eigentlich unmöglichen Tatsache, dass die Wolke mit Warp 1.1 den Raum durchquert.“

„Was ist das nächste Schiff hier in der Nähe?“

„Nach den momentanen Missionsplänen der Sternenflotte ist das die S.S. Tokyo, ein Frachter der Sydney-Klasse auf ihrer Handelsroute und die U.S.S. Splendor auf Testflug. Die Namib natürlich nicht zu vergessen.“

Die Tokyo als nicht zur Sternenflotte gehörendes Transportschiff und die stark beschädigte Namib kamen für eine Fortführung der Untersuchung natürlich auf keinen Fall in Frage. Das wusste H'Korr auch und suchte weiter, bis sie das nächste Schiff fand, die Splendor eben.

Splendor? Der Beinahe-Totalverlust auf dem Jungfernflug?“, murmelte Spencer. „Hm...“

„Entschuldigung Sir, was war denn mit der Splendor, wenn ich fragen darf? Ich hatte zwar von einem ‚Unfall‘ gehört, aber...“, erkundigte sich Hwang.

„Aufgrund eines schwerwiegenden Fehlers der Maschinencrew wäre der Fusionsreaktor fast zerstört worden, als sie gerade ihre erste Runde drehte, 14 Crewmitglieder starben. Sie können sich vorstellen, was die Folgen waren“, erläuterte Spencer und sagte dann fast ohne Unterbrechung: „Rufen Sie sie!“

H'Korr konnte die Subraumverbindung prompt herstellen. „Kanal offen, Sir.“

„Hier spricht Commander Robert A. Spencer von der U.S.S. Cousteau. Ich rufe die U.S.S. Splendor. Bitte kommen.“

Ein sehr aufgeräumt wirkender Offizier erschien auf dem Schirm. „Hier Captain Rickard O'Malley von der Splendor. Was wünschen Sie, Captain?“

„Sagen Sie, Captain, wären sie bereit, eine kleinen Erforschungsauftrag zu übernehmen? Wir sind auf diplomatischer Mission unterwegs ins Kaus-System und sind unterwegs auf ein seltsames Phänomen gestoßen, eine Gaswolke, die mit Warp 1.1 durch den Raum fliegt. Könnten Sie die weitere Untersuchung übernehmen?“

„Was? Eine Gaswolke mit Überlichtgeschwindigkeit?“ O'Malley klang für einen Moment überrascht, fing sich aber schnell. „Ich denke, das wird gehen. Dann ziehe ich eben die Erprobung unserer Sensoren vor. Geben Sie mir die Koordinaten und den Kurs, wir übernehmen das. Und viel Glück im Kaus-System, Captain! Ich beneide Sie nicht um Ihre Aufgabe.“

Thola betätigte ein paar Schalter und nickte Spencer zu.

„Vielen Dank. Haben Sie die Daten? Dann wünsche ich Ihnen noch einen angenehmen Testflug.“

„Danke, Captain. O'Malley Ende.“

Der Hauptschirm zeigte wieder den üblichen ‚Sternenhimmel‘.

„Auf denn. Miss Hwang: Gehen Sie wieder auf ursprünglichen Kurs, ursprüngliche Geschwindigkeit. Alarmstufe Gelb ist aufgehoben. Die Konferenz geht sofort weiter.“

3

Logbuch der Cousteau, Commander Spencer: Nachtrag:

Unterwegs sind wir auf eine Gasanomalie gestoßen und haben die U.S.S. Splendor gebeten, die Analyse für uns zu übernehmen. Obwohl sie auf Testflug sind, haben sie eingewilligt. Wir setzen den Flug ins Kaus-System fort.

Wie angeordnet trafen die Konferenzteilnehmer wieder ein.

Fähnrich Berger fuhr fort: „Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, bei den politischen Verhältnissen. Wie gesagt, die Auseinandersetzungen seit Beitritt zur Föderation wurden meist diplomatisch geregelt. Nun aber haben die Tzenkethi aus bislang ungeklärten Gründen plötzlich wieder Aktivität gezeigt und das Kaus-System für sich beansprucht. Sie haben begonnen, auf Kaus V demonstrativ eine militärische Basis zu errichten und dies keineswegs zu verheimlichen versucht. Sobald die Andorianer dies erfuhren, begannen sie ihrerseits Truppen im Kaus-System zu stationieren. Durch einige Ereignisse, oder ‚Missverständnisse‘, wie sie offiziell genannt werden...“, dies brachte ihm einen strafenden Blick von Seiten Spencers ein, „... wurden die ersten Schüsse abgefeuert. Nun wird offensichtlich auf Kaus V eine Schlacht am Boden durchgeführt. Seitdem die Namib angegriffen wurde, wurde kein Schiffsverkehr von den zusätzlich entsandten Tiefraumsonden berichtet, allerdings sind gewisse Schwankungen auf dem Spektrometer zu erkennen, die darauf schließen lassen, dass Waffen auf dem Planeten eingesetzt werden.“

„Und was ist nun mit der Diplomatendelegation?“, fragte Spencer. „Das alles ist ja schön und gut, oder besser gesagt nicht schön und gut, aber deswegen sind wir nicht hier.“

„Der Rat der Föderation hatte nun auf Antrag der Andorianer beschlossen, Diplomaten zu entsenden, die verhandeln sollten. Sie waren schätzungsweise mit zwanzig Personen auf dem Planeten gelandet, um eine Art Posten zu errichten. Sie waren fast fertig geworden, als die Namib angegriffen wurde, allem Anschein nach von ferngesteuerten Raketen.“

Spencer schaute missbilligend auf den Sichtschirm und brummte: „Also alles nicht ganz so einfach. Wir sollen also in das System einfliegen, die Diplomaten finden und befreien und danach beginnen, Friedensverhandlungen einzuleiten.“ Spencer benutzte bewusst diesen lakonischen Unterton, um seine Meinung über diese Mission zum Ausdruck zu bringen. „Vorschläge, wie wir das anstellen sollen?“

„Wissen wir wo sich die Diplomaten im Moment aufhalten?“, fragte Lt. Coreman, den Spencer mit der Vorbereitung der Rettungsaktion betraut hatte.

„Mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Kaus V, da wie gesagt kein Schiffsverkehr auszumachen war“, antwortete Berger.

„Wieso kein Schiffsverkehr? Warum kämpfen sie eigentlich auf Kaus V und nicht im Weltraum? Schiffe genug hätten sie ja. Weshalb wählen sie die altmodische Art des Kampfes?“, fragte Thola.

„Wissen wir nicht. Es kann genausogut Übereinkunft, Ritual oder Tradition sein, wenngleich alles drei eher unwahrscheinlich erscheint“, spekulierte Berger nach kurzer Überlegung.

„Gibt es denn keine weiteren Daten? Karten des Kaus-Systems, Beteiligte auf Seiten der Tzenkethi oder der Andorianer? Militärische Stärke? Irgendetwas?“, fragte Coreman.

„Wir wissen nicht viel über diesen Teil der Galaxis. Das letzte Schiff der Sternenflotte war vor 45 Jahren hier, um das Gebiet der Andorianer und Tzenkethi zu kartographieren. Mehr als eine Routineüberprüfung war das allerdings nicht, da die Tzenkethi immer schon eine feindliche Einstellung zur Föderation gezeigt haben. Danach waren nur noch diverse Botschafterschiffe mit Eskorte hier. Was wir wissen, beruht eigentlich nur auf 45 Jahre alten Daten und den Daten der kürzlich entsandten Tiefraumsonde“, berichtete Berger.

„Was ist denn mit der Namib, die die Diplomaten ja abgeliefert hat?“, fragte Hwang.

„Sie hatte zwar detaillierte Aufzeichnungen gemacht, jedoch wurde bei dem Angriff der Schiffscomputer schwer beschädigt. Es waren keinerlei Sensordaten mehr abzurufen“, antwortete Berger.

Spencer zeigte keine allzu glückliche Miene. „Da wir also nichts bis gar nichts wissen und wir uns auf Spekulationen nicht verlassen wollen, bleibt uns also nichts anderes übrig, als jeweils zu handeln, wenn wir Daten erhalten.“ Jeder im Raum konnte sehen, wie Spencer über die Mission und über die Erfolgschancen dachte.

„Also, wenn keiner der Anwesenden noch etwas auf dem Herzen hat, denke ich, das war's.“ Spencer hielt kurz inne, dann erhob er sich, verließ mit den anderen den Lageraum und besetzte wieder die Brücke.


Die nächsten dreieinhalb Tage verliefen ohne weitere Zwischenfälle.

„Wir nähern uns dem Kaus-System. Scan des Systems läuft“, meldete Hwang von der Steuerkonsole.

„Verlangsamen Sie auf Impulsgeschwindigkeit. Alarmstufe Gelb, Schilde hoch“, sagte Spencer ruhig und fügte hinzu: „Schließlich ist das hier Kriegsgebiet.“

„Wie die Tiefraumsonde gemeldet hatte: Keine Schiffe im gesamten System, zwei Klasse-M Planeten, Kaus V und VI. Von Kaus V werden energetische Emissionen gemeldet, wenn auch nur vereinzelt“, berichtete Thola.

„Setzen Sie ihren Scan fort. Ich will keine Überraschungen erleben. Miss Hwang: Gehen Sie in einen Orbit um Kaus V, Mr. Thola: Scannen Sie den Planeten. Besonders nach vulkanischen und terranischen Lebenszeichen.“

„Aye, Sir!“, bestätigte Hwang von der Ruderkonsole und wollte gerade den Kurs eingeben, als sie von einem recht beunruhigten Thola unterbrochen wurde: „Hwang, stoppen Sie das Schiff, aber sofort!“

Hwang drehte sich fragend zu Spencer, der schnell nickte und sich zu Thola umwandte. „Was gibt's?“

„Ich orte mehrere kleine Objekte. Sie sind recht klein und ihre Oberfläche scheint Licht- und Sensorstrahlen zu schlucken. Sie reflektieren fast nicht mehr im sichtbaren Bereich, deshalb sind sie uns wohl bisher nicht aufgefallen. Erst als wir uns näherten, verstärkte sich die Energiesignatur der beiden Objekte, die unserer Position am nächsten liegen“, antwortete Thola.

„Und was halten Sie davon?“, Spencer war leicht beunruhigt, hörte aber gespannt zu.

„Es könnte ein Perimeter-Defensivsystem sein, Sir“, sagte er nach kurzer Überlegung.

„Wissen Sie schon mehr darüber?“

„Noch nichts Genaues. Ich könnte höchstens spekulieren: Sobald ein Schiff oder ein anderes Objekt sich dem Kaus-System nähert, wird es von Scannersystemen erfasst und angegriffen, sobald es eine bestimmte Fläche im Raum überschreitet.“

„Ich verstehe. Finden wir es heraus. Geben Sie Alarmstufe Rot, Lt. H'Korr und bereiten Sie eine Sonde vor. Nein, warten sie.“ Spencer unterbrach sich, lief zu seinem Kommandosessel und aktivierte das Intercom: „Spencer an Maschinenraum!“

„Hier Sanchez“, meldete sich eine ruhige Stimme am anderen Ende der Leitung.

„Wir müssen herausfinden, ob wir freien Flug haben. Hätten Sie vielleicht etwas Müll oder etwas Ähnliches, den wir in den Raum hinausschießen können? Ich habe keine Lust, eine wertvolle Sonde zu riskieren, nur weil ich nicht weiß, was da draußen ist.“

„Müll nicht direkt, Sir, wir haben allerdings einige defekte Sonden an Bord genommen, um diese wieder in Stand zu setzen. Ich will es so sagen, ich schuldete dem Chefingenieur von Sternenbasis 53 noch einen Gefallen.“

Spencer musste grinsen: „Gut. Suchen Sie die defekteste Sonde raus und bereiten sie sie auf den Abschuss vor! Melden Sie sich, wenn sie fertig sind.“

„Aye, Sir. Sanchez Ende.“

Hwang an der Ruderkonsole schmunzelte: „Sanchez... Jetzt muss er schon Sonden reparieren, aufgrund eines Gefallens.“

„Das ist immer noch besser, als diesen Gefallen bei irgendeiner gefährlichen Mission einzulösen“, warf Thola ein, der fleißig Sensorenwerte studierte.

„Vielleicht als Übung für seine zwei Ingenieure zur Ausbildung, mit denen er sich seit ein paar Wochen herumschlagen muss“, schlug Spencer vor.

„Maschinenraum meldet, dass die Sonden startklar sind“, ließ sich H'Korr vernehmen und beendete die Spekulationen der Brückenbesatzung.

„Dann los. Verfolgen Sie die Sonde mit den Sensoren!“

Hwang drückte auf einen Kontrollschalter und aktivierte den Torpedoabschuss. Aus der vorderen Torpedoröhre schoss eine leicht angesengte Sonde der Klasse II heraus und schlug einen Kurs ein, der sie durch das Kaus-System hindurchführen sollte. Auf der Brücke der Cousteau wachte Thola über die Sonde und gab laufend Bericht: „Sonde abgeschossen. Klarer Datenempfang, jedenfalls von einigen Kanälen. Geschwindigkeit konstant bei 250 Metern pro Sekunde. Und Captain, die Sonde rotiert!“

„Na und, wahrscheinlich einer der Defekte. Eine Sonde zu reparieren ist...“ Spencer brach ab, weil ein plötzlicher Lichtblitz auf dem Bildschirm die Zerstörung der Sonde anzeigte.

„Analyse!“

Die Cousteau schlingerte, als die Druckwelle der Explosion auf ihre Schilde traf.

„Wie ich vermutet hatte, Sir. Kurz vor der Detonation ist die Energiemenge in einem der Objekte sprunghaft angestiegen. Ich konnte eine Zielerfassung auf die Sonde anmessen.“

„Und der Typ der Waffe?“

„Vermutlich ein ferngelenkter Sprengsatz. Ich kann Strahlungsrückstände erkennen.“

„Halten unsere Schilde das aus und können wir durchfliegen?“

„Schwer zu sagen. Ich habe jedenfalls einige Trümmer lokalisiert. Sie scheinen zu einem kleineren Schiff gehört zu haben. Moment, Sir!“ Thola wandte sich wieder seiner Konsole zu, beugte sich vor und hörte jemandem zu, der auf einem seiner Kontrollmonitore zu ihm sprach. „Fähnrich Berger informierte mich gerade, dass der Energieausstoß bei der Explosion höher war, als unsere Schilde ohne weiteres verkraften könnten. Offenbar verbirgt sich eine Überraschung in den Sprengköpfen.“

„Wenn dies also eine Verteidigung gegen eindringende Schiffe ist, heißt das wohl, dass die dafür Verantwortlichen nicht wollen, dass die andere Seite Nachschub oder Waffen liefert.“ überlegte Spencer laut. „Damit aber noch für sie selbst Zugang zum System besteht, muss es also einen Zugangscode geben, der die Attacken vorübergehend unterbindet.“

„Oder es gibt einen bestimmten Kurs, den man fliegen muss, um nicht angegriffen zu werden. Eine Art Loch in der Verteidigung“, überlegte Hwang.

„Guter Gedanke. Lt. H'Korr, suchen sie nach einer Möglichkeit, den Zugangscode herauszufinden, Mr. Thola, scannen Sie das gesamte System nach diesen Abschussvorrichtungen und zwar so schnell wie möglich. Spannen Sie alle Leute ein, die sie haben. Ich will hier nicht übernachten!“

4

Logbuch der Cousteau, Sternzeit 21165.6, Commander Spencer: [29.02.2344 14:37:49]

Wir sind im Kaus-System angekommen, der Zugang zum System ist leider durch ein automatisches Abwehrsystem blockiert, wahrscheinlich die Ursache für den Angriff auf die Namib. Commander Thola und Lieutenant H'Korr arbeiten an Lösungen.

Spencer saß in seinem Kommandosessel und hatte gerade den Logbucheintrag beendet, als Sanchez auf die Brücke trat.

„Ich habe gehört, dass es einige Probleme gibt...“, begann er.

„Sie haben richtig gehört, Mr. Sanchez“, gab Spencer trocken zurück.

„Ich hätte nämlich auch eine Idee, die eine Lösung darstellen könnte.“

Spencer drehte sich interessiert um und fragte: „Und die wäre?“

„Ich habe noch neun mehr oder weniger defekte Sonden im Angebot und von diesen Raketen gibt es auch nicht unendlich viele...“ Er neigte den Kopf zur Seite und grinste verschmitzt.

„Das heißt also, sie sparen sich Arbeit mit den Sonden und uns Arbeit mit dem Knacken des Abwehrrings?“, fragte Spencer, der schnell begriffen hatte, was Sanchez im Sinn hatte. „Wann können wir mit der Entsorgung beziehungsweise dem Abschuss beginnen?“

Hwang ließ ein seltsames Geräusch ertönen, das wie das Ergebnis eines unterdrückten Kicherns klang.

„Sofort, Sir, falls Lt. Hwang nichts dagegen hat“, meinte Sanchez trocken.

Ich habe jedenfalls nichts dagegen, sagen Sie Bescheid, dass man sich auf den Abschuss vorbereiten kann, hübsch eine Sonde nach der anderen“, beendete Spencer den Dialog etwas abrupt, aber seine Laune war im Moment nicht die beste.

Sanchez schritt zur Wissenschaftskonsole, und besprach sich kurz mit Thola. Dann griff er sich den zweiten Stuhl, setzte sich an das untere Ende des Viertelkreises, begann mit der Rekonfiguration des Konsolenlayouts und leitete die für seine Aufgabe notwendigen Kontrollen auf die Station um. Er bediente einige Schalter und meldete: „Erste Sonde klar!“

„Kurs direkt voraus setzen und abschießen! Frank, versuchen Sie mal, ob Sie nicht etwas mehr Informationen über die Abschussvorrichtungen bekommen können, wenn Sie sie in Aktion erleben!“, ordnete Spencer an.

Sanchez stellte den Kurs ein und aktivierte den Torpedoabschuss, der jedoch keinen Torpedo, sondern die Sonde abfeuerte, während Thola eifrig an seiner Konsole hantierte. Die Sonde schoss aus dem Torpedorohr und wurde nach kurzer Flugzeit von einer Rakete getroffen, was sich in einem grellen Lichtblitz bemerkbar machte.

„Mr. Sanchez: Zweiten Abschuss vorbereiten, Kurs um 5° backbord und 5° dorsal zur Schiffsachse versetzen.“ Spencer wollte einen etwas breiteren Kanal freischießen, um dies zu erreichen, sorgte er dafür, dass jede Sonde einen leicht abweichenden Kurs einschlug.

„Fertig, Sir.“

„Mr. Thola, Lt. H'Korr, schon etwas Neues?“

„Captain, es fand so etwas wie ein Funkaustausch zwischen drei der Vorrichtungen statt. Ich brauche aber mehr Daten, um den Code entschlüsseln zu können“, meldete H'Korr. Thola nickte.

Als knapp zwei Minuten verstrichen waren, gab Spencer den erneuten Befehl: „Abschuss der zweiten Sonde!“ und Sanchez führte die Anweisung aus.

Auch diese Sonde wurde nach kurzer Zeit ‚auf spektakuläre Weise in Energie verwandelt‘, wie DeFalco sich ausgedrückt hätte.

„Tut mir leid, Sir, ich konnte keinerlei Daten von der Sonde empfangen. Sie hat alle Kanäle mit weißem Rauschen blockiert“, sagte Thola nach erfolgter Detonation.

Spencer drehte sich verärgert zu Sanchez um. „Mr. Sanchez, würden Sie bitte nur noch Sonden abschießen, die unsere Sensoren nicht beeinträchtigen?“

„Entschuldigung, Captain. Das war die einzige Sonde mit defekter Sensorpalette“, entschuldigte sich Sanchez und fuhr fort: „Nächster Abschuss in einer Minute und 30 Sekunden!“

Spencer kam eine Idee. „Lt. H'Korr auf welcher Frequenz kommunizieren die Abschussvorrichtungen?“

„307,4 MHz, Sir.“

„Senden Sie ein Interferenzmuster auf dieser Frequenz. Vielleicht können so den Funkaustausch und damit vielleicht den Abschuss blockieren“, überlegte Spencer.

H'Korr bestätigte nach kurzer Zeit. „Ich sende das Interferenzmuster.“

„Dann los!“

Eine weitere Sonde verließ die Torpedoröhre und nahm wieder Kurs. „Sonde kommt in 20 Sekunden in Zielerfassungsreichweite, 10 Sekunden, 5... 4... 3... 2... 1... 0... –1...“ Thola war offensichtlich so überrascht, dass die Sonde immer noch weiterflog, dass er ganz in Gedanken den Countdown in den negativen Zahlenbereich ausdehnte.

„Ich denke, das reicht.“ Spencer schmunzelte, da Tholas wissenschaftliche Ader wieder einmal die Überhand gewonnen hatte. „Nächste Sonde bereit machen, das Störungssignal nicht abschalten. Der Abschuss erfolgt planmäßig in 2 Minuten.“

„Sonde programmiert und abschussbereit, Sir!“ meldete Thola.

„Diese Sonde hat ein defektes Antriebsmodul. Ich fürchte, sie wird etwas langsamer fliegen als die letzte.“ meldete Sanchez.

Spencer nickte. „Macht nichts.“

Der Abschuss erfolgte planmäßig und Thola begann wieder zu zählen: „30 Sekunden bis Auftreffen... 20 Sekunden... 10 Sekunden... 5... 4... 3... 2... 1... jetzt!“ Als wieder nichts passierte, sagte er: „Es scheint zu funktionieren.“

„Sehr gut! H'Korr, senden sie das Störungssignal bis auf Widerruf. Miss Hwang: Setzen Sie Kurs auf Kaus V und schwenken Sie in einen Standardorbit ein. Und stellen Sie die Phaser auf automatische Annäherungsaktivierung, falls sich da jemand mit unseren letzten beiden Sonden einen Spaß erlaubt hat.“

„Phaser geschaltet, Sir. Setze Kurs!“, bestätigte Hwang.

Die Cousteau nahm wieder Fahrt auf und passierte die kritische Zone ohne Störung. Nach kurzer Flugzeit ohne weitere Beeinträchtigungen durch Raketen oder Ähnlichem meldete Hwang: „Orbit erreicht.“

Thola fügte hinzu: „Die Scannererfassung wird von kurzzeitigen Interferenzen gestört, ich erhalte dennoch brauchbare Daten. Überall auf dem Planeten werden verstärkte andorianische und Tzenkethi-Lebenszeichen registriert, die Truppen nehme ich an. In der Nähe eines der wenigen Bauwerke empfange ich auch terranische und vulkanische Lebenszeichen. Die Diplomaten, Sir, Sie leben!“

„H'Korr: Grußfrequenzen öffnen. Transporterraum: Erfassen Sie die Diplomaten, aber noch nicht beamen. Bestätigen!“

„Transporterraum bestätigt. Erfassen, aber nicht beamen. Sir, ich kann sie nicht klar erfassen. Etwas stört mein Transportersignal.“

Spencer winkte H'Korr zu, noch etwas zu warten. „Was ist los, Mr. Sisota?“

„Ich habe Probleme ein klares Signal zu bekommen. Entweder die Atmosphäre oder eine künstliche Störquelle. Tut mir leid, Sir, das muss ich erst noch näher analysieren.“

„Versuchen Sie durchzukommen oder zumindest die Grenze des gestörten Bereiches ausfindig zu machen. Beeilen Sie sich. Spencer Ende.“ Spencer nickte H'Korr zu und sie betätigte einige Regler. „Kanal offen, Sir.“

„Hier spricht Captain Robert A. Spencer von der U.S.S. Cousteau. Ich wiederhole: Hier spricht Robert A. Spencer von der U.S.S. Cousteau. Wenn Sie mich empfangen, antworten Sie!“ Spencer benutzte diesmal nicht seinen eigentlichen Rang eines Commanders, sondern nannte sich selbst Captain, um etwas mehr Eindruck zu machen.

Der Bildschirm flackerte und es erschien ein Bild aus einer Art Kontrollzentrale. Ein Wesen mit bläulich gefärbter Haut und zwei Antennen am Kopf trat einen Schritt vorwärts und sagte: „Hier spricht Oberst Saavtaan vom andorianischen Militärkommando auf Kaus V. Wir wussten, dass sie irgendwann eintreffen würden und dass die Föderation sich die Gefangennahme nicht gefallen lassen würde.

„Wissen Sie Einzelheiten über die Gefangennahme, Oberst?“

„Die Verhandlungsdelegation wurde von einem Tzenkethi-Stoßtrupp entführt. Dabei wurden auch 15 meiner Soldaten getötet, als sie gerade dabei waren, ein Verhandlungsgebäude zu errichten. Wir konnten sie bislang leider nicht ausfindig machen.“

Spencer überlegte, was er als nächstes erwidern würde, denn er wollte Saavtaan die Position der Gefangenen nicht mitteilen, um unnötiges Blutvergießen bei einem etwaigen Rettungsversuch ohne sein Wissen zu vermeiden. „Das heißt, Sie wären also immer noch an Verhandlungen interessiert.“

„Auf jeden Fall. Den Tzenkethi scheint der Kampf richtig Spaß zu machen, jedenfalls haben sie ihre Vorstöße bisher mit ziemlicher Vehemenz vorgetragen. Und Captain: Wie sind sie in das System eingedrungen? Wir haben zwei Transportschiffe durch eine Art automatisches Verteidigungssystem verloren. Die Tzenkethi scheinen das System vermint zu haben.“

Spencer zögerte mit der Antwort. Wenn er jetzt den Andorianern das Geheimnis verriete, würden Sie es dazu nutzen, weitere Truppen heranzuschaffen. Andererseits, das würden die Tzenkethi sowieso auch machen, außerdem waren die Andorianer Föderationsmitglieder.

„Wir haben die Minen außer Funktion gesetzt, Oberst. Im Sinne des Friedens bitte ich Sie aber, den Kampf nicht weiter anzuheizen und keine weiteren Transportschiffe anzufordern.“

„Im Sinne des Friedens, ja, aber nicht im Sinne des eigenen Überlebens.“ Der Oberst wandte sich ab und fuhr fort: „Ich werde es in Betracht ziehen. Informieren Sie mich, wenn sie etwas Neues haben. Wir haben hier im Moment ziemliche Probleme! Saavtaan Ende.“

Sein Abbild wurde wieder durch die grüne Kugel namens Kaus V ersetzt. Spencer murmelte ein „Hatte nun wirklich nicht erwartet, dass sie den sprichwörtlichen roten Teppich für uns ausrollen.“ und drückte auf den Knopf des Intercoms. „Spencer an Sisota. Haben Sie schon etwas erreicht?“

„Hier Sisota, Sir. Leider nein. Das scheint eine begrenzte atmosphärische Störung zu sein, weil ich auf der Oberfläche in einem Umkreis von etwa einhundert Kilometern um den Aufenthaltsort der Diplomaten rein gar nichts erfassen kann. Aber laut Scan enthält die Atmosphäre dort nichts, was ein Transportersignal hemmen könnte.“

„Auf gut Deutsch: Sie sind ratlos. Kann nicht ein technisches Gerät oder einfach nur die Entladungen einer bestimmten Waffe die Ursache sein?“

„Mir ist kein Gerät bekannt, dass dazu in der Lage wäre. Der Energieaufwand für ein solches Gerät wäre auf jeden Fall immens. Unser Hauptreaktor wäre vielleicht gerade so dazu fähig.“

„Danke. Versuchen Sie weiter, etwas dagegen zu unternehmen.“ Spencer schloss den Kanal zum Transporterraum und schaltete auf Ausruf: „Mr. Coreman, Mr. Müller melden sie sich bitte in fünf Minuten im Lageraum. Mr. Thola, sie übernehmen. Ich bin dortselbst.“

Sanchez verließ die Brücke wieder und fuhr in den Maschinenraum zurück, seine Aufgabe auf der Brücke war erfüllt.

Im Lageraum angekommen, forderte Spencer einen Scan des Ortes, an dem die Diplomaten den Sensoren zufolge festgehalten wurden und legte ihn auf den Bildschirm. Kurz nach ihm trafen Coreman und Müller ein. Coreman hatte seinen Vertreter mitgebracht, einen jüngeren Lieutenant, Xuma mit Namen.

„Bitte setzen sie sich, meine Herren. Mr. Coreman: auf dem Bildschirm sehen Sie den Ort, an dem sich unsere Diplomaten befinden. Chief Müller, so wie es aussieht, benötigen wir ein Shuttle, um auf den Planeten zu gelangen, da unsere Transporter gestört sind.“

Müller nickte und Coreman wandte sich zu Spencer, nachdem er das Bild auf dem Monitor eingehend betrachtet hatte. „Das ist weder gut noch schlecht. Der Ort liegt mitten im Wald. Einerseits ist er recht leicht mit automatischen Perimetern zu überwachen, Posten können sich verstecken, andererseits können wir das auch. Das Einfachste wäre natürlich, wir stellen die Schiffsphaser auf Betäubung und bestreichen das komplette Areal, landen mit einem Shuttle, laden die Diplomaten ein, Schluss, Aus und Fertig.“ Coreman präsentierte sich als ein Freund unkomplizierter Lösungen.

„Daran hatte ich auch schon gedacht, Mr. Coreman. Aber erstens sind wir nicht irgendwer, sondern ein Schiff der Sternenflotte. Diese Art des Handelns gefällt mir überhaupt gar nicht, meinem Vorgesetzten wahrscheinlich noch weniger. Zweitens: Die Tzenkethi benötigen eine Betäubungseinstellung, die für uns Humanoide langsam kritisch wird. Ich kann nicht verantworten, dass durch ein solches Manöver das Leben der Diplomaten gefährdet wird. Es sieht wirklich danach aus, dass wir dort hinunter müssen, und zwar mit einem bewaffneten Einsatzkommando. Ich bitte um Vorschläge.“

5

Logbuch der Cousteau, Sternzeit 21167.6, Commander Spencer: [01.03.2344 08:11:54]

Nach momentaner Lage der Situation bleibt uns nichts anderes übrig, als mit einem bewaffneten Rettungstrupp zu landen und die Diplomaten zu befreien. Das ist nicht ohne Risiko, weder für die Mannschaft, noch für die Diplomaten, aber es scheint nicht so, als würden uns die Tzenkethi in irgendeiner Weise entgegenkommen. Vielleicht respektieren sie unser Zeichen der Stärke. Ob es allerdings wirklich Zeichen von Stärke ist, mit Waffengewalt vorzugehen, sei dahingestellt.

Spencer betrat die Shuttlerampe, wo Fähnrich Thalvan auf ihn wartete. „Captain?“

„Was gibt's, Fähnrich?“

„Ich möchte mich für den Einsatz freiwillig melden, Sir.“

Spencer wusste, dass Thalvan Phaser-Scharfschütze war, ein guter Kämpfer sowieso und dass sie jeden Mann brauchten. Aber er wusste auch, dass Thalvan andorianischer Abstammung war und sich in der Vergangenheit nicht immer vollständig seinem kommandierenden Offizier untergeordnet hatte, ein Grund, warum er immer noch, oder besser gesagt wieder, Fähnrich war. Er wurde auf die Cousteau mehr oder weniger strafversetzt, hatte sich aber seitdem nicht mehr auffällig verhalten. Andererseits war gerade sein Volk, die Andorianer, in die Auseinandersetzung hier verwickelt und Spencer konnte sich ausmalen, was passieren würde, wenn er dem Feind seines Volkes mit einem Phaser in der Hand gegenübertreten würde.

„Vielen Dank, Fähnrich. Ich weiß ihren Einsatz zu schätzen, aber ich kann Sie leider nicht mitnehmen. Ich denke, Sie wissen warum.“ Spencer machte eine Pause. „Allerdings suche ich noch jemanden, der den Angriff von hier oben überwacht und uns mit neuen Scannerdaten auf dem Laufenden hält. Würden Sie das übernehmen?“

Thalvan hatte wohl bereits mit einer Ablehnung gerechnet, da er jetzt freudig überrascht dreinschaute, so freudig überrascht, wie es bei einem Andorianer denn möglich war. „Gerne, Sir. Sobald ich bereit bin, melde ich mich.“

„Gut, Fähnrich. Das wäre alles.“ Spencer nickte ihm zu und ging weiter zu dem Shuttle, wo DeFalco gerade damit beschäftigt war, einen Phaser am Shuttle zu installieren.

„Hallo Captain.“ DeFalco grinste Spencer an. „Willst du wirklich mit dem Ding da 'runter und auf den Putz hauen?“

„Von wollen kann keine Rede sein, aber im Moment sehe ich keine andere Möglichkeit. Außer jedoch, du hättest noch eine.“

„Leider nicht. Solche Sachen überlasse ich lieber dir. Gib mir doch mal bitte den Phasenspanner“, bat er. Spencer reichte ihn DeFalco und sah ihm noch kurze Zeit zu, wie er den Phaser am Shuttle befestigte und für Energiezufuhr sorgte, bis schließlich Coreman und sein Sicherheitsteam den Raum in etwas unförmig wirkenden Anzügen betraten.

Coreman winkte Spencer heran. „Wollen Sie wirklich mit da hinunter?“ fragte er.

„Ja, Mr. Coreman. Wenn ich jetzt nicht mitgehe, heißt es hinterher, ich habe fahrlässig gehandelt. Und wenn ich jetzt mitgehe...“

„... dann heißt es, der Captain hat sich unnötig in Gefahr begeben“, beendete DeFalco den Satz Satz für Spencer.

„Das hast du gesagt“, grinste Spencer. „Aber da ist was Wahres dran.“

„Also gut.“ Coreman klang nicht vollständig überzeugt. „Dann ziehen Sie sich bitte diesen Kampfanzug über, damit der Captain sich nicht mehr als nötig in Gefahr begibt.“

Spencer zwängte sich mit einigen Mühen in den klobigen Anzug hinein, der ihn vor Phaserschüssen genauso wie vor Projektilen oder Raubtieren schützen sollte. Dann betraten sie das Shuttle und warteten auf den Piloten.

„Thalvan an Captain Spencer!“, ließ sich das Intercom vernehmen.

Mürrisch stieg Spencer wieder aus und stiefelte zur nächstgelegenen Intercomstation, die sich am Eingang des Hangars befand. „Spencer hier! Was gibt's, Fähnrich?“

„Ich habe jetzt das Zielgebiet unter Überwachung. Dort rührt sich im Moment nichts.“

„Danke, Mr. Thalvan.“ Spencer hatte die Verbindung gerade beendet, als ein Pilot aus Müllers Stab den Raum betrat. „Fähnrich Johnson meldet sich zum Dienst, Sir!“

Spencer musterte Johnson kurz, er war ein junger, edoanischer Offizier, der durch den Besitz dreier Arme und Beine geradezu prädestiniert für den Job eines Piloten war.

„Sie wissen, was Sie zu tun haben?“, fragte Spencer.

„Ja, Sir!“, bestätigte Johnson und sie betraten das Shuttle. Johnson schloss die Tür und meldete sich per Funk: „Shuttle Paz ist bereit zum Start. Erbitte Starterlaubnis.“

„Gewährt“, meldete H'Korr von der Brücke. „Guten Flug und viel Erfolg!“

Die Sirenen im Hangar begannen zu dröhnen, als sich das Tor zum Weltraum langsam öffnete. Das Shuttle hob ab und durchflog mühelos das Kraftfeld, welches das Ausströmen der Atemluft verhinderte. Nachdem es den Hangar verlassen hatte, schloss sich das Tor wieder.

Sie nahmen Kurs auf den Planeten, genauer, auf eine größere Lichtung innerhalb des Waldes, etwa eineinhalb Kilometer vom vermeintlichen Aufenthaltsort der Diplomaten entfernt.

Während des Fluges sinnierte Spencer über die Bedeutung dieser Situation. Sie saßen hier mit fünfzehn Personen mit Phasergewehren und Schutzanzügen und flogen auf den Planeten, um das dortige Chaos noch ein wenig zu vergrößern, in der Hoffnung es hinterher wieder richten zu können. Und dann noch die ganzen Ungereimtheiten, wie die unbemerkte Installation eines automatischen Verteidigungssystems, oder schlichter formuliert, die Verminung eines Sternensystems, den Angriff auf die Namib, die plötzlich wieder aufgeflammten Aggressionen der Tzenkethi, die...

„Sir! Sehen Sie sich das mal an!“, rief plötzlich einer der Sicherheitsleute.

Es war zwar eher an Coremans Adresse gerichtet, aber Spencer erhob sich ebenfalls, um nach dem Rechten zu sehen. Auf dem Sichtschirm im Cockpit des Shuttles waren, neben den üblichen Interferenzen bei Atmosphäreneintritt, seltsame grüne Lichteffekte zu sehen.

Als Spencer eintrat, sagte Johnson gerade zu Coreman: „Ich habe es gerade gescannt. Ich kann nichts entdecken, Sir. Das da dürfte es eigentlich nicht geben?!“ Johnson klang verwirrt.

Spencer bahnte sich eine Gasse zu dem Schaltpult für die Sensoren, verschaffte sich selbst einen Überblick und brummte ein „Stichwort: Ungereimtheiten“, aber so leise, dass nichts zu hören war. Johnson kontaktierte die Cousteau, doch auch die dortigen Sensoren waren nicht in der Lage, etwas zu erkennen, was das Phänomen erklären könnte. Nach einigen Minuten hörte das seltsame Glühen auf.

„Vermutlich hat irgendwer eine unbekannte Substanz in dieser Atmosphärenschicht untergebracht, die Transportererfassung verhindert und... ?!“ Spencer stockte. „Das ist doch Unsinn. Da steckt doch mit Sicherheit mehr dahinter.“ Er nahm sich vor, eine gründliche Untersuchung dieses Planeten vorzunehmen, wenn sie mit allem hier fertig waren.

Sie näherten sich dem geplanten Landeplatz. Spencer ordnete einen neuerlichen Scan des Zielgebietes an.

„Nichts Besonderes zu berichten, Captain“, meinte Johnson und ein wenig später bestätigte Thalvan via Kommunikationskanal diese Meldung.

„Beginnen Sie dann den Landeanflug.“

„Ja, Captain“, sagte Johnson und nahm Kurs auf die Lichtung. Fünf Meter über dem Landeplatz verharrte das Shuttle und sank dann langsam auf den Boden hinunter.

Nach einigen, ruhigen Sekunden gab Spencer Coreman einen Wink.

Coreman begann: „Also los. Standardsuchmuster, V-Formation. Mr. Johnson: Schließen Sie nach unserem Verlassen die Tür und behalten Sie die Umgebung im Auge. Sobald sich Soldaten Ihrer Position nähern, heben Sie sofort ab und versuchen, sie unter Feuer zu nehmen. Wenn wir die Diplomaten haben, melden wir uns wieder. Und los!“

Auf ein Zeichen Coremans öffnete Johnson die hintere Türe des Shuttles. Zwei Sicherheitsoffiziere bildeten die Vorhut. Sie schlichen vorsichtig aus dem Shuttle und richteten ihre Phaser auf verschiedene, imaginäre Ziele in der Umgebung. Nachdem sich nichts rührte, gaben sie den Übrigen im Shuttleinneren ein Zeichen, woraufhin diese ebenfalls das Shuttle verließen.

Spencer und Coreman aktivierten ihre Tricorder. „Innerhalb der nächsten 500m orte ich keine Posten oder elektronischen Geräte. Seltsamerweise erhalte ich keine Daten über die weitere Umgebung“, berichtete Coreman. „Vielleicht die Auswirkungen des selben Geräts, welches unsere Transportererfassung stört.“

Spencer und Coreman übernahmen die Spitzen des Vs, das das Sicherheitsteam bildete. Langsam und im Schutz der Bäume und Büsche eroberten sie Meter für Meter. Coreman und Spencer schauten abwechselnd auf ihre Tricorder und auf das, was vor ihnen lag. Die Sicherheitsleute hinter ihnen schwenkten ihre Phaser und beobachteten sorgfältig die Umgebung. Spencer begann, mit seinem Tricorder zu spielen und probierte verschiedene Abtastmethoden auf verschiedenen Frequenzbändern, doch jede weitere Umgebung verweigerte sich hartnäckig jeglichen Scans.

Sie näherten sich einer kleinen Lichtung. Coreman hob die Hand, machte einige Gesten und deutete nach links. Der ganze Trupp bog nach links ab, ins dichtere Unterholz. Als deutliche Geräusche beiseite geschobener Äste und gebrochener Zweige zu hören waren, flüsterte Coreman: „Leise, Leute. Nicht so hektisch. Lasst die Bäume stehen!“ Die Bewegungen wurden ruhiger und waren dann auch kaum noch zu hören. Spencer bemühte sich, die gewandten und geübten Bewegungen der Sicherheitsleute so gut als möglich nachzuahmen.

Sie waren schon über einen Kilometer vorangekommen, als Spencer meldete: „Ich habe ein Gebäude in ca. 400 m Entfernung in der Peilung. Wir bewegen uns genau darauf zu.“

„Bestätigt“, sagte auch Coreman. Sie schlichen weiter und schließlich kam der Bau in Sichtweite. Es war ein zweistöckiges, offensichtlich in größerer Eile errichtetes Gebäude. Der Eingang war in Sichtweite, aber das Innere verweigerte sich trotz einiger Versuche hartnäckig etwaigen Tricorderscans. Patrouillen umliefen in unregelmäßigen Abständen das Gebäude.

„Seltsam, Captain“, flüsterte Coreman, „ich hätte erwartet, dass auch Wachen in weiteren Abständen patrouillieren würden. Ich kann auch kein Kraftfeld oder etwas Ähnliches entdecken. Sehr merkwürdig.“

„Fahren Sie fort, Mr. Coreman!“

„Eigentlich hätte ich erwartet, dass sie uns schon einen heißen Empfang auf der Lichtung bereitet hätten. So ein Shuttleflug ist ja nicht gerade sehr unauffällig. Und dass selbst jetzt keiner...“

„Sir! Fünf Personen nähern sich unserer Position von hinten!“, unterbrach ihn einer der Sicherheitsleute mit unterdrückter Stimme, es war Coremans Stellvertreter.

„Jetzt gibt's Ärger“, brummte Coreman und befahl: „Fünf Leute kümmern sich um die fünf hinter uns, die anderen nehmen einen der Wachen vor uns aufs Korn. Sobald der erste alle fünf Wachen hinter uns sieht, schießt er. Sobald der erste schießt, schießen die anderen auch. Phaser auf schwere Betäubung.“

Eine Weile schien alles ruhig, plötzlich aber zischte ein Schuss hinter der Gruppe. Auf dieses Zeichen hin blitzten überall Strahlenschüsse auf. Die erste Betäubungssalve war ein voller Erfolg, drei Gebäudewachen und vier der fünf sich von hinten nähernden Wachen wurden betäubt, der fünfte konnte einen gezielten Schuss auf einen Sicherheitsoffizier anbringen, der mit einem Aufschrei zu Boden stürzte. Dieser Schuss war aber der letzte der dieser Posten für die nächste Zeit von sich gab, denn auch er wurde sofort niedergestreckt.

Coreman schaute Lieutenant Xuma an, der sich gekrümmt am Boden wandte: „Alles klar, Xuma?“

„Es geht schon, Sir“, antwortete dieser gepresst. „Der Anzug hat mir größeren Schaden erspart.“

Spencer warf einen schnellen Blick auf seine Tricorderanzeige und stellte fest, dass noch sechs Patrouillen außerhalb des Gebäudes waren, das Innere konnte er immer noch nicht scannen.

„Vier bleiben hier und geben uns Feuerschutz. Wir dringen ins Gebäude ein“, befahl Spencer, als plötzlich drei Tzenkethi aus dem Gebäude rannten.

„Kommando zurück, erst feuern!“, sagte Spencer hastig und vier gezielte Schüsse streckten diese Wachen auch noch nieder, einer wurde sogar von zweien getroffen.

„Irgendwelche Ideen, Mr. Coreman?“, fragte Spencer, nun doch etwas zögerlich.

Coreman hob wortlos einen etwas größeren Stein auf und warf ihn links neben das Gebäude, einen weiterer, noch etwas größerer Stein landete rechts neben dem Gebäude. Nachdem die Steine gelandet waren, hörte man nach wenigen Sekunden raschelnde Geräusche, die aber leiser wurden. Coreman gab seinen Leuten die leise Anweisung, die Posten an der Rückwand des Bauwerks zu stellen und zwinkerte Spencer zu: „Ich wusste, dass die darauf reinfallen würden und die Steine für Granaten halten oder so. Das hat nämlich schon mal funktioniert.“

Ein halblauter Pfiff ertönte und Coreman ging mit Spencer hinter das Gebäude, wo sie die Sicherheitsoffiziere mit den Phasern im Anschlag und sechs Tzenkethi-Wachen vorfanden.

„Am besten betäuben und fesseln. Die Strahlengewehre werden zerstört“, ordnete Coreman an, trotz eines etwas bestürzten Gesichtsausdrucks Spencers. Coreman fügte hinzu: „Schließlich ist das hier Kriegsgebiet.“

‚Das habe ich doch schon gestern gesagt‘, dachte Spencer und schmunzelte wegen des Zufalls.

Die Wachen waren schnell betäubt und noch schneller gefesselt. Ein Fähnrich übernahm die Disintegrierung der gegnerischen Waffen.

Während die anderen beschäftigt waren, aktivierte Spencer seinen Kommunikator: „Mr. Johnson, können Sie mich hören?“

Von leichten Störungen durchzogen, kam eine Stimme aus dem Kommunikator: „Ja, Sir. Johnson hier. Alles ruhig hier. Vielleicht etwas zu ruhig, wenn Sie mich fragen.“

„Wir stehen jetzt vor dem Gebäude und haben die Gegend gesichert. Landen Sie am Eingang, wir brauchen ihr Shuttle als Feuerschutz!“

„Aye, Sir. Ich bin sofort da. Johnson Ende!“

Gerade als Spencer seinen Kommunikator zugeklappt hatte, meldete Coreman, dass von seiner Seite alles erledigt sei.

„Jetzt gehen wir rein,“ beschloss Spencer daraufhin. Coreman nickte

Der Trupp, diesmal unter Führung Spencers, umrundete den Bau und machte kurz neben dem Eingang Halt. Coreman hob seine Hand und zeigte mit seinem Daumen nach links. Einer der vier Sicherheitsleute, die sich im Wald versteckt hatten, hob ebenfalls die Hand, zeigte aber mit dem Daumen nach oben. Spencer schüttelte den Kopf, verwirrt von all der Zeichensprache.

Plötzlich war ein sirrendes Geräusch zu hören, zuerst ganz leise, aber immer lauter werdend. Viele Augen und Coremans Tricorder richteten sich gen Himmel, doch es stellte sich heraus, dass es nur Johnsons Shuttle war. Er manövrierte das Fahrzeug genau zwischen den Sicherheitstrupp im Wald und dem Eingang, mit der seitlichen Türe jedoch auf der Waldseite. ‚Kluger Junge!‘, dachte Spencer. Mit einem leisen Zischen öffnete sich die Seitentür und zwei Sicherheitsleute trugen den verletzen Lieutenant Xuma in das Shuttle. Auch die anderen brachten sich erstmal hinter dem Shuttle in Sicherheit, es wurde nach kurzer Beratung beschlossen, dass vier Sicherheitsleute weiterhin den Eingang von außen sichern sollen während die anderen unter Führung von Spencer und Coreman ins Gebäude eindrangen.

Wieder bildeten zwei Fähnriche die Vorhut, die den Vorraum sicherte, danach folgten die anderen. Spencer aktivierte probeweise den Tricorder, und siehe da, er lieferte Daten. „Tricorder!“, sagte er halblaut.

Coreman aktivierte sein Gerät. Seiner Anzeige zufolge war das Untergeschoss leer und abgesehen von einem Raum, in dem Computerkonsolen angezeigt wurden, war auch nichts bemerkenswertes aufzufinden. Im oberen Raum jedoch wurden neben den Lebenszeichen von vier Humanoiden auch zwei Tzenkethi-Lebenszeichen gemeldet. Coreman trat leise zur Beratung mit seinen Leuten zurück und nach einem kurzen Wortwechsel, der von für die Sicherheitsleute wohl eindeutigen, aber Spencer nahezu völlig nichts sagenden Gesten begleitet wurde, beendeten sie die Beratung.

Spencer blickte leicht gequält drein und vollführte nun auch eine Geste, die ‚Bitte nach Ihnen!‘ andeutete. Coreman nickte entschuldigend und ordnete den Aufbruch an.

Einer nach dem Anderen folgte Coreman durch die Tür, die in einen weiteren Raum mit einem Treppenaufgang führte. Spencer entschloss sich sicherheitshalber, die Nachhut zu bilden und die Geschehnisse zu beobachten.

Zwei Leute schlichen gebückt die Treppe hinauf und drückten sich neben der verschlossenen Tür am Ende des Treppenaufgangs an die Wand, zwei weitere hielten sich am Fuß der Treppe bereit.

Coreman justierte seinen Phaser und begann, dessen Strahl auf die Metalltür zu richten. Er brach jedoch ab, da sich die Tür unbeeindruckt von der Bestrahlung zeigte. Nach einem eingehenden Tricorderscan der Türe veränderte die Einstellung seines Phasers, das Metall der Tür begann daraufhin zu glühen. Fachmännisch fuhr Coreman fort, die Türe aus ihrem Rahmen zu schneiden.

Kurz bevor die Türe aus dem Rahmen zu fallen drohte, wies er jemanden an, seinen Phaser auf niedrige Stufe zu stellen und die Tür in der Mitte zu bestrahlen, damit die Tür nach innen fiel und nicht etwa die Treppe hinunter.

Bereits während die Tür noch im Fallen begriffen war, rannten die beiden Sicherheitsleute, die sich an der Treppe postiert hatten, nach oben und zielten mit ihren Phasern im Halbkreis. Die beiden, die neben der Tür standen, warfen sich hinter ihnen ebenfalls in den Raum, die anderen folgten langsam von unten, nur Coreman und Spencer blieben unten.

Ein Strahl blitzte auf und fällte einen der Sicherheitsleute, doch er wurde sofort durch zwei weitere Strahlen beantwortet, die den verantwortlichen Tzenkethi-Schützen zu Boden streckten. Nach kurzer Zeit schoss ein weiterer Strahl aus einer anderen Richtung quer durch den Raum, verfehlte aber sein Ziel und schlug in die Wand ein. Nachdem ein weiterer gezielter Schuss den zweiten Tzenkethi getroffen hatte, gab Coreman nach einem weiteren Tricorderscan Entwarnung und nachdem er zwei Leute als Wache beim Aufgang belassen hatte, betraten auch er und Spencer das obere Geschoss, nachdem sie sich versichert hatten, dass dem Getroffenen dank seines Kampfanzuges nicht viel passiert war.

Die anderen durchkämmten die Räume, bis sie in einem die Diplomatendelegation fanden, die zwar etwas schwach, doch bei vollem Bewusstsein war. Sie waren in einer Art Zelle hinter einem Kraftfeld gefangen und hatten sich offensichtlich wegen der Schusswechsel in den hinteren Teil des Raumes begeben oder an die Seitenwände gedrückt.

Spencer stellte sich den Diplomaten vor. „Ich bin Commander Robert Spencer, Captain des Föderationsschiffs U.S.S. Cousteau. Wir sind gekommen, um sie zu befreien.“

Ein hochgewachsener Vulkanier aus der Gruppe trat nach vorn und sagte: „Ich bin Botschafter Saran, Leiter der Delegation. Willkommen, Captain. Darf ich meine betazoidische Beraterin Chandra Fergun und und meine terranischen Kollegen...“, er zeigte auf zwei etwas erschöpft aussehende Menschen, „... Coambre und Weissenberg vorstellen? Wie Sie sehen, werden wir von einem Kraftfeld in diesem Raum festgehalten. Sie können die Konsole dort drüben benutzen, um es zu deaktivieren.“

Spencers Blick schweifte durch den Raum. Er nahm zuerst einen Tricorderscan an der Konsole, am Kraftfeld und an der Wand vor und ließ sich dann vor der Konsole nieder, um sich mit dem Computersystem ansatzweise vertraut zu machen.

Nach kurzer Zeit sagte er jedoch: „Hier ist ein mehrstelliger Code notwendig, um das Kraftfeld zu deaktivieren. Mr. Coreman, ich glaube, wir sollten es auf die altmodische Art versuchen.“

Er zog den Tricorder nochmals hervor, um das Kraftfeld etwas eingehender zu scannen. „Justieren Sie ihren Phaser auf 487,4 Megahertz. Botschafter, bitte treten Sie von dem Kraftfeld weg. Wir werden versuchen, es durch Überladung der Kraftfeldgeneratoren zu deaktivieren. Einfach, aber wirkungsvoll.“

Nachdem sich Saran und die übrigen drei Diplomaten sich in die entgegengesetzte Ecke zurückgezogen hatten, richten Coreman und Spencer ihre Phaser auf das Zentrum des Kraftfeldes und feuerten. Das Kraftfeld leuchtete grell auf und die Generatoren begannen unter der Überlastung zu summen. Nach einer kurzen Zeit stoben Funken aus einem Generator, er begann zu qualmen und das Kraftfeld brach zusammen.

„Wenn ich Sie dann bitten dürfte...“, sagte Spencer zu den Diplomaten, die sich erhoben und mit schleppenden Schritten in Richtung des Ausgangs bewegten. Coreman winkte seine Leute herbei, die die Diplomaten ins Untergeschoss eskortierten. Bevor sie jedoch ins Freie treten konnten, vollführte Coreman die Geste ‚Halt!‘ und klappte seinen Kommunikator auf. „Coreman an Johnson! Alles ruhig da draußen?“

„Ja, Sir“, kam die prompte Antwort aus dem Kommunikator. „Sie können kommen. Mr. Xuma ist nicht sehr schwer verletzt, er sollte dennoch schnell auf die Krankenstation.“

„In Ordnung. Wir kommen jetzt raus. Bereiten Sie alles für den Start vor!“ Coreman schloss seinen Kommunikator und der Trupp setzte sich wieder in Bewegung. Er führte die Diplomaten zum Shuttle und ließ sie als erstes einsteigen. Die übrigen Sicherheitsleute zwängten sich ebenfalls in das Shuttle, Spencer stieg als letzter ein und schloss die Tür.

„Starten, Mr. Johnson!“, ordnete er an.

„Aye, Sir!“

Die Motoren des Shuttles begannen zu summen und es hob sich langsam vom Boden. Johnson bediente sein Pult und nahm wieder Kurs auf die Cousteau, die im Orbit über ihnen schwebte. Spencer, der den Sitz des Kopiloten ergattert hatte, kontaktierte auf einer sicheren Frequenz die Cousteau, informierte sie über ihre erfolgreiche Mission und gab die Landeanweisungen an Johnson weiter. Dann wandte sich Spencer an die Diplomaten. „Es tut mir Leid, Botschafter, Ihnen keine bequemere Reisemöglichkeit zur Verfügung stellen zu können, aber unsere Transporter werden durch eine Störquelle blockiert.“

Botschafter Weissenberg antwortete: „Sie brauchen sich nicht zu entschuldigen, Mr. Spencer. Wir wussten, was uns erwarten würde. Haben Sie bereits mit den Andorianern gesprochen? Sie halfen uns unter anderem bei der Errichtung des Verhandlungsgebäudes. Wir wurden allerdings von den Tzenkethi überfallen, die dieses Gebäude als Gefängnis für uns umfunktionierten.“

„Die Andorianer haben sofort auf unsere Rufe reagiert, Botschafter. Sie wollen auch weiterhin verhandeln. Bleibt nur noch die Frage, ob die Tzenkethi das auch wollen?“

„Wir hatten bereits eine offizielle Einladung zu Verhandlungsgesprächen an die Führung der Tzenkethi übermittelt, erhielten allerdings keine Reaktion.“

Spencer nickte und sah gerade aus dem Fenster, als das Shuttle die Atmosphäre verließ und auf die Cousteau zusteuerte. Die Hangartüre war offen und Johnson steuerte das Shuttle mit Präzision hinein. Sie landeten weich und ohne Probleme. Johnson öffnete die hintere Türe des Shuttles. Thola stand im Hangar bereit.

„Wir sind da“, sagte Spencer nur. Er ließ den übrigen Insassen des Shuttles beim Aussteigen den Vortritt.

„Willkommen auf der Cousteau!“, begrüßte er die Diplomaten ein zweites Mal, während er auf der Rampe stand, die die geöffnete, hintere Türe des Shuttles bildete. „Ich würde Ihnen empfehlen, als erstes unserer Krankenstation einen Besuch abzustatten, nur um sicher zu gehen, ob es Ihnen wirklich an nichts fehlt. Ich könnte mir außerdem vorstellen, dass sie sich zuerst erholen wollen, bevor sie einen neuen Versuch starten, die Verhandlungen neu aufzunehmen. Wir stehen ihnen selbstverständlich jederzeit zur Verfügung. Mein 1. Offizier, Mr. Thola wird sie nun zu ihren Quartieren begleiten.“

„Danke, Captain!“ Saran nickte knapp.

Thola vollführte die ‚Bitte nach Ihnen...‘-Geste und folgte den Diplomaten. Spencer verließ den Hangar kurze Zeit später, konnte aber noch hören, wie Coreman seine Leute lobte, ihnen für den Rest der Schicht dienstfrei gab und schließlich Xuma zur Krankenstation begleitete.

6

Logbuch der Cousteau, Sternzeit 21168.8, Commander Spencer: [01.03.2344 18:44:21]:

Wir haben die Diplomaten ohne größere Probleme befreien können, dabei wurde Lt. Xuma verletzt, jedoch nicht schwer. Der Leiter der Delegation, Botschafter Saran, hofft, die Verhandlungen bald fortsetzen zu können, wobei wir ihm mit allen Kräften helfen werden.

Spencer saß auf der Brücke und verfasste gerade den obligatorischen Bericht und den Logbucheintrag, als Saran zusammen mit Weissenberg auf die Brücke kam.

Spencer drehte sich um, stand auf und sagte: „Botschafter! Willkommen auf der Brücke.“

„Danke, Captain! Ich würde gerne ihre Kommunikation benutzen, um mit den Kriegsparteien zu sprechen.“

„Kein Problem, Botschafter“, sagte Spencer und setzte sich wieder. „Wen möchten Sie zuerst sprechen?“

„Die Andorianer bitte. Wir hatten bereits Kontakt, sie zeigten sich verhandlungsbereit und halfen uns bei der Errichtung und Verteidigung des Konferenzgebäudes.“

„H'Korr, stellen Sie eine Verbindung zu den Andorianern her und zwar auf einer abhörsicheren Frequenz.“

„Kanal offen. Sie können sprechen, Botschafter!“, war die prompte Antwort H'Korrs.

„Ich bin Botschafter Saran von der Föderation der Vereinigten Planeten! Ich rufe Oberst Saavtaan!“

Nach einem kurzen Moment erschien das bereits bekannte Bild des andorianischen Obersten in seiner Kontrollzentrale auf dem Hauptschirm.

„Botschafter! Sie wurden befreit? Wir hatten versucht, sie zu lokalisieren, leider erfolglos.“

„Captain Spencer hat uns mit einem mutigen Einsatz aus dem Gebäude befreit, in dem wir gefangen waren. Ich gehe recht in der Annahme, dass sie weiterhin an Verhandlungen interessiert wären?“

„Ja, Botschafter. Wir wollen nicht kämpfen, müssen aber unser Gebiet, unser Eigentum und unser Leben verteidigen, ganz im Gegensatz zu den Tzenkethi.“

„Gut, Oberst. Ich werde versuchen, einen neuen Verhandlungsort ausfindig zu machen und die Tzenkethi zu Verhandlungen zu bewegen. Sobald wir Erfolg hatten, werden wir uns wieder melden.“

„Dann wünsche ich Ihnen viel Glück, Botschafter.“

„Danke, Oberst. Noch eine Frage, wenn Sie erlauben. Wie verlaufen die Kämpfe?“

„Wir hatten zuerst größere Niederlagen hinnehmen müssen, doch nach und nach nehmen die Kampfhandlungen einen positiven Verlauf. Ich wäre Ihnen dennoch sehr dankbar, wenn unsere Probleme am Verhandlungstisch gelöst werden würden.“

„Sie werden, Oberst. Das verspreche ich. Saran Ende.“

H'Korr schloss die Verbindung und Saran forderte sie auf, einen Kanal zu den Tzenkethi herzustellen.

„Hier spricht Botschafter Saran von der Föderation der Vereinigten Planeten! Ich rufe die Tzenkethi!“, und wiederholte nach einer kurzen Zeit, als sich nichts rührte: „Hier spricht Botschafter Saran von der Föderation der Vereinigten Planeten! Ich rufe die Tzenkethi! Ich bitte sie, die Kampfhandlungen einzustellen und ersuche sie um die Aufnahme von Verhandlungen mit den Andorianern.“

Sie warteten eine Weile, aber es tat sich nichts. Saran wandte sich nun an Spencer: „Wissen Sie eine Möglichkeit, die Tzenkethi zu Verhandlungen zu bewegen? Sie scheinen es vorzuziehen, zu kämpfen und nicht zu verhandeln.“

„Lassen Sie mich mal überlegen. Die Andorianer wollen verhandeln, weil sie Frieden dem Kampf vorziehen und weil der Kampf schlecht läuft. Die Tzenkethi wollen kämpfen, weil sie die Vorteile auf ihrer Seite wissen. Zum Beispiel sind sie für Ihre Gefangennahme, für die Beschädigung der Namib und für die Verminung des gesamten Sternensystems verantwortlich. Die Andorianer können keinen Nachschub ins System bringen, die Tzenkethi höchstwahrscheinlich schon.“

„Entschuldigen Sie die Frage, Mr. Spencer. Wie sind denn Sie ins System eingedrungen, wenn das System vermint ist?“, fragte Weissenberg.

„Wir haben die Tzenkethi überlistet. Die Raketenabschussvorrichtungen kommunizieren miteinander auf einer bestimmten Frequenz. Wenn man diese Frequenz blockiert, ist Ruhe im System.“ Spencer grinste und fuhr fort: „Man müsste den Tzenkethi diesen Vorteil wegnehmen, jedoch weiterhin dafür sorgen, dass kein Schiff ins System eindringen kann um Nachschub oder sonst etwas zu liefern. Die Tzenkethi befänden sich dann in einer deutlich schlechteren Position. Mr. Thola, schon etwas herausgefunden?“, fragte er übergangslos.

„Meine Leute arbeiten an einem Zugang zum Computersystem. Fähnrich Berger berichtete mir gerade, sie stünden kurz davor, das System zu knacken“, antwortete Thola.

„Sehr gut. Benachrichtigen Sie mich sofort, wenn sie soweit sind. Botschafter: Ich glaube, die Tzenkethi werden bald etwas verhandlungsbereiter sein. Wir sollten uns vielleicht einen neuen Verhandlungsort überlegen, wenn Sie einverstanden sind?“

„Ja, Captain. Natürlich. Botschafter Weissenberg wird Ihnen gerne behilflich sein“, gebot Saran, der kurz darauf die Brücke wieder verließ.

„Gut. Botschafter, darf ich Sie dann in den Besprechungsraum bitten? Mr. Thola, Sie übernehmen und sagen Sie Coreman, er soll uns Gesellschaft leisten.“

„Ja, Sir.“

Weissenberg und Spencer betraten den Lageraum und warteten auf Coreman, der nach kurzer Zeit eintraf.

„Lt. Coreman meldet sich wie befohlen!“, sagte er ernst.

„Setzen Sie sich. Mr. Coreman, der Botschafter ist auf der Suche nach einem neuen Verhandlungsort und ich habe Sie hinzugerufen, um ihre fachkundige Meinung zu hören. Sie werden auch für einen möglichst reibungslosen Ablauf der Verhandlungen sorgen, sollten wir es denn tatsächlich schaffen, die Kriegsparteien an einen Tisch zu bringen.“

Coreman nickte. „Ich habe mir erlaubt, bereits einige Vorüberlegungen anzustellen, wenn der Botschafter“, er deutete auf Weissenberg, „nichts dagegen hat.“

„Natürlich nicht. Beginnen Sie, Lieutenant“, antwortete Weissenberg in freundlichem Ton.

Coreman wollte gerade beginnen, als Thola den Raum betrat. „Sir, darf ich kurz stören?“

„Was gibt's, Commander?“, fragte Spencer.

„Fähnrich Berger ist in das Computersystem der Tzenkethi-Minen eingedrungen und hat vollständigen Zugriff.“

„Sehr gut.“ Spencer nickte zufrieden. „Er soll das ganze System deaktivieren und die Zugangcodes ändern. H'Korr kann dann natürlich das Interferenzmuster abschalten. Das brauchen wir ja nicht mehr.“

„Gut, Captain. Ich werde alles veranlassen“, bestätigte Thola und verließ den Raum.

Auf ein Zeichen Spencers begann Coreman. „Im Allgemeinen empfehle ich selten ein Raumschiff, da es erfahrungsgemäß viele Möglichkeiten gibt, dieses in Schwierigkeiten zu bringen, egal wie viele Kontrollen wir durchführen. Andererseits würde ich auch keinen Planeten wählen, auf dem laufend gekämpft wird.“ Coreman kniff die Mundwinkel zusammen und dachte an Xuma, der gerade auf der Krankenstation behandelt wurde. „Ich würde einen anderen, unbewohnten Planeten empfehlen, in diesem Falle also Kaus VI.“

„Gut, Mr. Coreman. Botschafter?“

„Diesen Gedanken hatten wir auch schon erwogen. Allerdings gab es ein Problem. Kaus VI besteht zu großen Teilen aus...“

Der Botschafter wurde von dem Heulen der Alarmsirenen unterbrochen, die einen potenziellen Notstand verkündeten. Er sah mit einer besorgten Miene zu Spencer.

„Kein Grund zur Sorge, Botschafter. Sie können, wenn Sie möchten, mich auf die Brücke begleiten. Mr. Coreman!“

Spencer schritt durch die Türen auf die Brücke, gefolgt von Coreman und Weissenberg.

„Was ist los? Warum Alarmstufe Gelb?“, fragte Spencer.

„Die Langstreckensensoren haben ein Schiff ausgemacht, das sich dem System schnell nähert. Es wird in circa acht Minuten eintreffen“, meldete Thola.

„Typ des Schiffes?“, fragte Spencer, nachdem er sich wieder im Kommandosessel niedergelassen hatte.

„Es ist ein recht großvolumiges Schiff. Messungen zeigen, dass seine Masse ebenfalls sehr hoch ist, Spektralanalysen deuten darauf hin, dass außerdem der Antrieb ziemlich stark belastet wird“, berichtete Thola.

„Mal etwas waghalsig kombiniert: Das ist ein voll beladener Tzenkethi-Truppentransporter, richtig?“, spekulierte Coreman, der hinter Spencers Kommandosessel stand.

„Ja, das hört sich vernünftig an. Mr. Thola, schicken Sie mir Fähnrich Berger auf die Brücke, aber sofort! H'Korr, öffnen Sie einen Kanal!“

Thola nickte und H'Korr antwortete: „Kanal offen.“

„Hier spricht Captain Robert Spencer vom Föderationsraumschiff U.S.S. Cousteau! Unbekanntes Schiff, bitte identifizieren Sie sich!“ Es erfolgte keine Reaktion.

Fähnrich Berger trat auf die Brücke.

„Ah, Fähnrich. Schnappen Sie sich eine Computerkonsole und nehmen Sie direkten Zugriff auf das Computersystem der Minen“, ordnete Spencer an.

„Ja, Sir.“ bestätigte Berger.

„Ich bekomme jetzt genauere Daten“, meldete Thola. „Das Schiff auf den Sensoren scheint tatsächlich ein Schiff der Tzenkethi zu sein. Und es hat direkten Kurs auf dieses System.“

„Fähnrich, bereiten Sie eine Reaktivierung der Abschussvorrichtungen vor! Wir brauchen ein Druckmittel. Und versuchen Sie, uns aus der Liste der Ziele auszuklammern.“ Das war an Bergers Adresse gerichtet.

„Ja, Sir!“ Es schien Berger richtig Spaß zu machen, sich wieder in das fremde Computersystem einzuklinken.

„H'Korr, öffnen Sie einen neuen Kanal!“

„Kanal offen.“

„Hier spricht wieder Captain Spencer von der U.S.S. Cousteau. Falls Sie beabsichtigen, in das Kaus-System einzudringen, muss ich Sie leider informieren, dass wir die Kontrolle über die Raketen besitzen, die den Zugang zum System ‚beschränken‘!“ Man konnte die Anführungszeichen in Spencers Satz regelrecht heraushören. Er fuhr fort, als Thola ihm meldete, dass die Schiffe ihren Kurs nicht änderten: „Obwohl nichts dagegen spräche, würden wir dennoch gerne auf eine Demonstration dieser Tatsache verzichten, indem sie jetzt ihr Schiff stoppen und endlich auf diese Sprechverbindung antworten!“ Spencer bereitete diese Ansprache trotz der äußeren Umstände sichtbar Vergnügen

Er drehte sich um und grinste Weissenberg an. „Dann wollen wir mal sehen, ob das Eindruck gemacht hat.“

Nach einer kurzen Zeit meldete Thola: „Sie haben den Antrieb gestoppt.“ und kurz danach H'Korr: „Sie antworten!“

„Na also! Auf den Bildschirm!“

Ein etwas verzerrtes Bild einer spartanisch ausgestatteten Brücke, die in schwaches Licht getaucht war, erschien. Zwei katzenartig aussehende und in eine altmodische Rüstung gekleidete Soldaten traten ins Bild.

Der eine begann zu sprechen: „Ich bin Major Ortelk von der Tzenkethi-Armee. Captain Spencer, ich muss Sie informieren, dass Sie sich in Kriegsgebiet befinden. Sollte Ihnen etwas zustoßen, dann...“

„Und wir sind hier, um sicherzustellen, dass dies nicht lange mehr Kriegsgebiet bleibt!“, schnitt Spencer dem Kommandanten des Tzenkethi-Truppentransporters das Wort ab. „Ich werde keinerlei kriegerische Handlungen gegen uns oder gegen irgendwen anderen dulden. Ich bin hier in offiziellem Auftrag der Föderation der Vereinigten Planeten, um Friedensverhandlungen aufzunehmen. Sobald sie in das System eindringen, werden Sie von ihrem eigenen Abwehrsystem zerstört. Kontaktieren Sie ihr Oberkommando, informieren Sie sie über diese Tatsache und geben Sie uns ihre Frequenz, damit wir uns über Verhandlungen unterhalten können!“

Spencer starrte mit einem entschlossenen Gesichtsausdruck auf den Bildschirm und wartete auf die Reaktion des Kommandanten. Dieser zog sich in den hinteren Bereich der Brücke zurück und beriet sich leise mit seinen Offizieren. Aus der wilden Gestik schloss Spencer darauf, dass der Kommandant einer anderen Meinung als die Berater war und diese ihn zu überzeugen versuchten. Nach einer kurzen Zeit verschwand dieses Bild vom Schirm, um wieder durch das Abbild des Transportschiffes ersetzt zu werden, welches jetzt seinen Antrieb ausgeschaltet hatte und auf seiner Position verharrte.

„Ich wette, die werden jetzt ihrerseits Analysen vornehmen und mit ihrer Heeresleitung Kontakt aufnehmen. Fähnrich, passen Sie auf, dass niemand sie aus ihrem Computersystem wirft.“

Berger schmunzelte: „Im Gegenteil, ich werde sie hinauswerfen, wenn sie versuchen, hier einzudringen. Das System gehört mir!“

„So ist gut.“ Spencer schien ganz zufrieden zu sein und lehnte sich entspannt in seinen Kommandosessel zurück, während er auf ein Zeichen der Tzenkethi wartete.

„Captain, wenn Sie nichts dagegen haben, würde ich gerne weiter nach einem Verhandlungsort suchen“, machte sich Coreman wieder bemerkbar.

„Einverstanden. Mr. Thola: Könnten Sie einen Monitor oder zwei für den Botschafter und Mr. Coreman erübrigen?“

„Aber natürlich. Benutzen Sie bitte Terminal I.“ Die Zuweisung einer Computerkonsole auf der Brücke war bei der in dieser Hinsicht recht üppig ausgestatteten Cousteau kein Problem, obwohl er und Hellmann sich den Platz an der Hauptwissenschaftskonsole teilten und Berger auf dem etwas kleineren Terminal II eine Direktverbindung zu dem Raktetenabschusssystem aufrechterhielt.

Weissenberg und Coreman ließen sich vor dem Terminal nieder, Coreman bediente die Kontrollen und legte eine Landkarte von Kaus VI auf den Sichtschirm des Terminals. Dann begannen sie beide damit, die verschiedenen Möglichkeiten leise durchzusprechen.

„Sir, ich messe Scanneraktivität bei den Tzenkethi an“, meldete Thola nach einiger Zeit.

„Sie scheinen ihr Minensystem zu checken. Die werden sich noch wundern...“, murmelte Spencer und fuhr unvermittelt fort: „Eigentlich könnten wir uns schon mal zu Kaus VI aufmachen, oder? Miss Hwang: Verlassen Sie den Orbit um Kaus V und gehen Sie in Standardorbit um Kaus VI!“

„Aye, Sir.“ Sie klang überrascht, jedoch nur ein wenig, da sie sich inzwischen daran gewöhnt hatte, dass Spencer dann und wann unvorhergesehene Anweisungen zu ungewöhnlichen Zeitpunkten erteilte.

Die Cousteau löste sich aus dem Anziehungsbereich von Kaus V und nahm Kurs auf Kaus VI, dessen Umlaufbahn der von Kaus V relativ nahe kam.

Nach einiger Zeit, in der nichts weiter passierte, als dass Hellmann die Brücke verließ, um nach einem wichtigen Experiment zu sehen, meldete Coreman: „Captain! Ich glaube, wir haben einen Ort gefunden, der als Verhandlungsort gut in Frage zu kommen scheint.“

„Dann legen Sie die Karte mal auf den Hauptschirm.“

„Ja, Sir.“ Coreman tat wie geheißen. „Sehen Sie die Insel, Captain?“ fragte er und zoomte einen Ausschnitt heran, der eine kleine Insel inmitten eines Ozeans zeigte.

„Diese Insel ist gerade einmal 25 km² groß und besitzt keine Berge oder Hügel. Es gibt zwar etwas Wald, den wir trotz wahrscheinlicher Proteste unserer Biologen roden werden.“ erklärte Coreman trocken. „Wenn wir dann noch ein Kraftfeld errichten, haben wir die volle Kontrolle über die Insel. In meinen Augen der ideale Verhandlungsort.“

„Sehr gut, Mr. Coreman. Leiten Sie die entsprechenden Vorbereitungen ein, damit die Verhandlungen sofort beginnen können, sobald wir die Zusage der Tzenkethi haben.“

„Aye, Sir.“ Coreman verließ die Brücke und Thola schaltete wieder auf den ursprünglichen Hauptschirm.

„Das Einzige, was wir jetzt noch bräuchten, wäre ein verhandlungsbereites Tzenkethi-Oberkommando“, murmelte Spencer vor sich hin und wies Thola an: „Beobachten Sie den Verlauf der Kämpfe. Ich kann nur hoffen, dass die Tzenkethi sich zu sehr auf ihre Nachschübe verlassen haben und bald ins Schwitzen kommen werden. Sie haben die Brücke, sobald sich irgendwas verändert, benachrichtigen Sie mich.“

Spencer stand auf, überließ Thola den Kommandosessel und ging zurück in sein Quartier, um sich ein wenig auszuruhen.

7

Logbuch der Cousteau, Sternzeit 21173.9, Commander Spencer: [03.03.2344 15:32:15]:

Die Vorbereitungen für eine Verhandlungsaufnahme auf Kaus VI laufen auf Hochtouren. Die Kämpfe auf Kaus V scheinen immer mehr zugunsten der Andorianer zu verlaufen. Wir warten auf eine Antwort der Tzenkethi, die wir stündlich kontaktieren, allerdings ohne Antwort zu erhalten. Mittlerweile ist ein zweites Transportschiff der Tzenkethi eingetroffen und wartet ebenfalls darauf, Zugang zum System zu erlangen.

„Sir! Die Tzenkethi scheinen gerade eine weitere Schlacht verloren zu haben und ziehen sich vom Kampf in Planquadrat 4B zurück. Die Andorianer haben jetzt deutliche Vorteile“, meldete Hellmann, der Thola an der Computerkonsole vertrat.

Auf dem Hauptschirm war eine Landkarte von Kaus V zu sehen, die in Planquadrate unterteilt war und der Verlauf der Kämpfe zu beobachten war.

Botschafter Saran, der sich ebenfalls auf der Brücke aufhielt, meldete sich: „Es wäre wieder soweit, Captain.“

„Ja, Botschafter. Fähnrich Hallersvoort, öffnen Sie einen Kanal zu den Tzenkethi.“

„Kanal offen, Sir. Sie können sprechen.“

„Hier spricht Botschafter Saran. Im Namen der Föderation der Vereinigten Planeten und des Andorianischen Oberkommandos ersuchen wir sie, die Waffen niederzulegen und Friedensverhandlungen aufzunehmen.“ Spencer wunderte sich, dass der Botschafter zum vierzehnten Male dieselben Worte mit nahezu derselben Betonung als Ansprache verwendete. ‚Vulkanier!‘, dachte er und schüttelte unmerklich den Kopf. Doch jetzt erfuhr Spencer Abwechslung, denn der Botschafter fuhr fort: „Es ist sinnlos, einen Krieg weiterzuführen, der aussichtslos erscheint! Ich bitte sie deshalb inständig, lassen Sie nicht zu, dass noch mehr Blut sinnlos vergossen wird!“ Saran setzte sich an eines der Terminals und wartete auf eine Reaktion der Tzenkethi, genau wie bei den letzten vierzehn Malen. Und tatsächlich, nach einigen Minuten meldete Hallersvoort: „Wir werden gerufen!“

„Na endlich! Auf den Schirm damit.“

„Hier spricht Colonel Kattlik von der Tzenkethi-Heeresleitung. Nach langer Beratung erklären wir uns einverstanden, Verhandlungen aufzunehmen, wenn die Andorianer ebenfalls zustimmen, die Kämpfe einzustellen.“

„Mr. Hallersvoort, aktivieren Sie Konferenzschaltung und öffnen Sie einen Kanal zu den Andorianern!“

„Aye, Sir. Schaltung steht!“, meldete Hallersvoort, nachdem er einige weitere Tasten betätigt hatte. Der Hauptschirm wurde in zwei Hälften geteilt, in der oberen erschien Colonel Kattlik, die untere zeigte Oberst Saavtaan.

Botschafter Saran begann, dem andorianischen Obersten die Situation zu erklären und nach einigen heftigen Wortwechseln gaben beide die Aufforderungen an ihre Truppen durch, die Kämpfe sofort einzustellen und alle Waffen niederzulegen.

Saran begann wieder: „Wir haben einen neuen Verhandlungsort auf Kaus VI errichtet. Wir werden sie benachrichtigen, sobald alles bereit ist. Meinen tiefsten Dank nochmals an sie beide, dass sie sich bereit erklärt haben, die Kämpfe zu beenden und Verhandlungen aufzunehmen!“ Er neigte den Kopf und gab Anweisung, den Kanal zu schließen.

„Das wäre ersteinmal geschafft!“ Spencer atmete durch und aktivierte das Intercom: „Mr. Coreman: Wie weit sind Sie?“

„Wir werden in einer Stunde soweit sein, möglicherweise früher.“

„Danke. Beeilen Sie sich, falls es sich unsere Freunde hier oben nochmals anders überlegen sollten.“

„Wir arbeiten, so schnell wir können“, sagte Coreman und Spencer schloss den Kanal wieder.

„Mr. Hellmann: Status der Kämpfe?“

„Ich registriere nur noch vereinzelte Schüsse, die immer weiter abnehmen.“

Spencer lehnte sich im Kommandosessel entspannt zurück und dachte nach.

Botschafter Saran sagte: „Bitte entschuldigen Sie mich jetzt, ich muss mich mit den Mitgliedern meiner Delegation auf die Verhandlungen vorbereiten.“

„Gut, Botschafter. Falls Sie etwas benötigen, wenden Sie sich an Lt. Coreman oder an mich!“

„Danke, Captain.“ Er verschwand im Turbolift.

Die nächste Dreiviertelstunde verbrachte Spencer auf der Brücke, beobachtete die Situation, dachte nach und begann seinen Bericht zu verfassen, als ihn ein Fiepen des Intercoms aus den Gedanken riss: „Coreman an Spencer. Wir sind soweit. Die Verhandlung kann beginnen.“

„Sehr gut, Mr. Coreman. Ich werde mit unseren Botschaftern in Kürze hinunterbeamen, um alles zu inspizieren. Und lassen Sie mir zwei Ihrer Leute hier oben auf dem Schiff. Ich denke, es kann nicht schaden, sie an Bord zu haben, wenn wir die Delegierten der Andorianer und der Tzenkethi abholen.“

„Ja, Sir. Ich lasse sie sofort hinaufbeamen. Coreman Ende.“

Spencer drückte eine andere Taste auf dem Intercom: „Spencer an Botschafter Saran. Meine Leute sind soweit. Wir können auf den Planeten beamen, sobald sie bereit sind.“

„Wir sind bereit, Captain. Wir können uns in wenigen Sekunden im Transporterraum treffen.“

„Gut, Botschafter. Ich mache mich sofort auf den Weg. Mr. Hellmann: Sie haben die Brücke!“

„Aye, Sir.“

Spencer verließ die Brücke und fuhr mit dem Turbolift zum Transporterraum, wo die Delegation bereits eingetroffen war. Er wies die Diplomaten an, sich auf die Transporterplattform zu stellen und als er sich dazugesellt hatte, gab Chief Sisota auf ein Zeichen Spencers Energie.

Sie materialisierten auf einer kleinen Insel. Coremans Leute hatten den vormals dichten Wald völlig gerodet, man konnte auf allen Seiten bis an den Horizont blicken. Die Insel selbst war vollkommen eben, eine hastig errichtete Überdachung für einen großen Tisch mit Stühlen war das einzige Bauwerk. Mehrere Sicherheitsoffiziere standen Wache rund um den Verhandlungsort.

„Sieht ja gar nicht schlecht aus, Mr. Coreman“, war Spencers erster Eindruck. „Was haben Sie denn noch für Überraschungen vorbereitet?“

„Eigentlich nur ein Kraftfeld, welches die gesamte Insel umgibt und unerwünschtes Beamen verhindern soll. Alles andere hat bereits die Örtlichkeit hier für uns erledigt. Nebenbei, es gibt hier auch ein tragbares Kommunikationsmodul, falls die Delegierten Anweisungen nach draußen geben wollen. Selbstverständlich kann von der Cousteau mitgehört werden. Ich hoffe es ist alles zu Ihrer Zufriedenheit, Captain, Botschafter?“

„Ja, Mr. Coreman. Sie haben gute Arbeit geleistet“, gab Saran zurück.

„Vielen Dank, Botschafter.“

Spencer sagte: „Ich schlage vor, wir sollten das Kommunikationsmodul einweihen, um die Andorianer und die Tzenkethi zu informieren!“

„Ja, Captain, ich übernehme das“, antwortete Saran und er entfernte sich.

Spencer und Coreman warteten auf seine Rückkehr. Als er nach kurzer Zeit wieder erschien, sagte er: „Ich habe alles arrangiert. Es verlief überraschend problemlos. Beide Kriegsparteien werden maximal fünf unbewaffnete Delegierte entsenden.“

„Gut, Botschafter. Sie können dann schon mal Platz nehmen. Ich lasse mich jetzt wieder hinaufbeamen, um die Delegierten abzuholen.“ Spencer klappte seinen Kommunikator auf. „Spencer an Cousteau! Eine Person zum Beamen.“

Er wartete einige Sekunden, bis ihn der Transporterstrahl erfasste. Wieder auf dem Schiff angekommen, schritt er schnurstracks zur Brücke und gab folgendes Kommando an Fähnrich Thalvan, der während der zweiten Schicht am Ruder saß: „Nehmen Sie Kurs auf Kaus V mit voller Impulskraft und gehen Sie in Standardorbit. Wir holen die Delegierten ab. Fähnrich Hallersvoort, bitten Sie um die Koordinaten, um die Delegierten an Bord zu beamen.“

„Kurs liegt an“, meldete Thalvan.

„Ich nehme Kontakt auf“, meldete Hallersvoort.

Nach einigen Minuten Flugzeit meldete er: „Ich habe die Koordinaten und gebe Sie an den Transporterraum weiter.“

„Gut, Fähnrich. Sorgen Sie dafür, dass die beiden Sicherheitsleute Aufstellung im Transporterraum nehmen sollen.“

„Verstanden.“

„Wir haben den Orbit erreicht“, meldete Thalvan nahezu nahtlos.

„Informieren Sie sie, dass sie in Kürze hinaufgebeamt werden. Sie sollen sich bereit halten. Ich bin im Transporterraum!“

Spencer stand auf und ihn erreichte gerade noch das „Aye, Sir!“ von Hallersvoort, bevor sich die Tür des Turboliftes schloss. Als er im Transporterraum ankam, meldete ihm Sisota: „Die Delegierten sind bereit, Sir.“

„Gut. Haben Sie diesmal keine Probleme mit der Transportererfassung?“

„Nein, Sir.“ Sisota blickte Spencer überrascht an. „War mit gar nicht aufgefallen.“

„Seltsam. Als erstes kommen die Andorianer an die Reihe“, bestimmte Spencer.

„Aye, Sir.“ Sisota gab die entsprechenden Koordinaten ein.

Ein Flimmern erschien auf der Transporterplattform und fünf andorianische Offiziere, darunter Saavtaan, materialisierten.

„Ich bin Captain Spencer und heiße Sie auf der Cousteau willkommen!“, sagte er.

„Danke, Captain.“ Sie verließen die Plattform und Spencer sagte: „Holen Sie jetzt die Tzenkethi!“

„Aye, Sir!“, war wieder die prompte Antwort von Sisota, er leitete die notwendigen Handgriffe ein und die Tzenkethi materialisierten ebenfalls.

Spencer wiederholte seinen Begrüßungssatz, aber Colonel Kattlik reagierte etwas ungehaltener und fragte: „Wo ist Botschafter Saran?“

Spencer antwortete ruhig: „Wir werden Sie jetzt zum Verhandlungsort auf Kaus VI transportieren. Botschafter Saran ist bereits dort und wartet auf sie. Der Flug wird nur wenige Minuten in Anspruch nehmen.“

Die Tzenkethi wandten sich ab und die Mitglieder beider Delegationen vermieden es sich anzusehen. Spencer beauftragte Thalvan via Intercom, sie so schnell wie möglich zurück zu Kaus VI zu bringen.

Während des gesamten Fluges wurde im Transporterraum kein Wort gesprochen und nur die allernötigsten Bewegungen gemacht. Die gesamte Atmosphäre war geladen und bis zum Zerreißen gespannt. Spencer war froh darüber, den Verhandlungen nicht beiwohnen zu müssen, obwohl er darüber nachdachte, gelegentlich als neutraler Beobachter der Sternenflotte dabei zu sein.

Er war ebenfalls froh, als dass er Coreman mit der Sicherung beauftragt wusste. Es gab mit Sicherheit nicht viele, die in Bezug auf die Überwachung von Verhandlungen diesen Erfahrungsschatz aufwiesen wie Coreman, Spencer kannte seine nicht unerhebliche Liste von Auszeichnungen. Er wusste aber auch, dass er nach einer schweren Verletzung, die er sich bei der Vereitelung eines Attentates eben bei einer Friedensverhandlung zugezogen hatte, sich nie mehr vollständig erholt hatte und sich deswegen auf der Cousteau in einer Art Ruhestand befand. Er war unendlich erleichtert, als Thalvan von der Brücke ihn informierte, dass sie den Orbit von Kaus VI erreicht hätten.

Er gab Sisota die nötigen Anweisungen und nacheinander wurde die Delegationen der Tzenkethi und die der Andorianer auf den Planeten gebeamt. Deutlich erleichtert verließ er den Transporterraum.

Kaum war er auf der Brücke angelangt, erreichte ihn ein Funksignal Coremans: „Sir, beide Verhandlungsleiter bestehen darauf, dass ihre Schiffe hierher kommen sollen.“

Spencer überlegte kurz. „Einverstanden. Wir werden das Minenfeld ausschalten und mit seiner Demontage beginnen. Jeder darf Schiffe, unbewaffnet und leer vorbeischicken, um die Soldaten auf Kaus V abzuholen. Weiterhin darf jeder ein Schiff, ebenfalls unbewaffnet und leer im Orbit um Kaus VI belassen, um die Delegierten zu versorgen. Sobald eine Waffe abgefeuert wird, werden wir ohne zu zögern Gegenmaßnahmen ergreifen. Die Delegierten dürfen das Kommunikationsmodul benutzen. Wir werden hier als Verstärker fungieren.“

„Alles klar, ich werde es weiterleiten. Sonst ist alles ruhig hier.“

„OK, Spencer Ende.“

Spencer beorderte Berger auf die Brücke und forderte ihn auf, das Minenfeld komplett abzuschalten. Nach Bergers Bestätigung atmete er tief durch und ordnete für den nächsten Morgen eine Konferenz an, zu der sich alle Offiziere in den Lageraum einfinden sollten.

8

Logbuch der Cousteau, Sternzeit 21175.9, Commander Spencer: [04.03.2344 09:06:20]:

Die Aufnahme von Verhandlungen auf Kaus V ist erfolgreich verlaufen. Botschafter Saran meldete, dass es anfangs einige Schwierigkeiten gab, er zeigt sich aber zuversichtlich. Schiffe der Andorianer und der Tzenkethi haben ohne Zwischenfälle ihre Soldaten von Kaus V abgeholt und jeweils eines von ihnen schwebt hier neben uns im Orbit um Kaus VI. Wir beginnen mir der Demontage des Minenfeldes und werden eine gründliche Untersuchung von Kaus V vornehmen.

Wie angeordnet, trafen sich alle höheren Offiziere aller Abteilungen im Besprechungsraum.

Spencer erhob sich und begann: „Wir werden nun unsere weitere Vorgehensweise besprechen. Also: Mr. Coreman, Sie und ihre Leute überwachen den reibungslosen Ablauf der Verhandlungen, ich selbst werde öfter anwesend sein, um die Fortschritte zu verfolgen und aufzuzeichnen.

Mr. Sanchez, Sie werden das Team leiten, das die Minen abräumt. Sie werden mit ihrem Team ein Shuttle nehmen und dafür sorgen, dass jedermann reibungslos in das System gelangen kann. Zur Not installieren Sie eine Phaserkanone und vaporisieren Sie jede einzelne Abschussvorrichtung, aber informieren Sie mich dann vorher, damit ich die Leute vorwarnen kann.

Mr. Thola, Sie werden mit einem anderen Team Kaus V auf Schäden, Verseuchung und so weiter untersuchen, und finden Sie das Gerät, welches unsere Transportererfassung beim ersten Besuch verhindert hat und beschlagnahmen sie es, wenn möglich. Stellen Sie auch Ihr Team zusammen, fliegen Sie mit einem Shuttle zum Planeten und vergessen auch Sie nicht, vorsichtshalber eine Phaserkanone anbringen zu lassen. So, meine Damen und Herren, was meinen sie?“ Spencer setzte sich wieder und schaute erwartungsvoll in die Runde.

„Eine Frage, Sir. Mir wäre lieber, ich könnte das Minenfeld mit der Cousteau abräumen. Die hält mehr aus, wenn wirklich so eine Abschussvorrichtung samt Raketen ungeplant detonieren würde“, merkte Sanchez an.

„Tut mir leid, Mr. Sanchez. Ich brauche die Cousteau selber hier, um die Verhandlungen und, noch viel wichtiger, den ganzen Verkehr hier im Orbit zu überwachen. Falls jemand aus irgendeinem Grund beschließen sollte, Waffen abzufeuern, brauche ich mehr als ein Shuttle, um Ruhe wiederherzustellen. Beide Parteien sollen wissen, dass wir ihnen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit widmen. Nehmen Sie die Kopelev, sie hat die stärkste Außenhülle“, meinte Spencer.

„Ich würde mir dann Lt. H'Korr und Fähnrich Berger aussuchen. Weiterhin hätte ich gerne Mr. Müller als Piloten, es kann ja sein, dass wir einige Flugkunststückchen machen müssen“, meinte Sanchez dann nach kurzer Überlegung.

„Und ich wähle Mr. Jones, Mr. Xuma, Fähnrich DePorter als Biologen sowie Fähnrich Johnson als Piloten. Er war ja schon mal vor kurzem auf Kaus V“, fügte Thola hinzu.

„Alles klar, genehmigt. Dann werden also Miss Hwang und Mr. Hellmann in meiner Abwesenheit auf das Schiff aufpassen. Mr. Sanchez, würden Sie dann wirklich DeFalco den Maschinenraum anvertrauen?“, fragte Spencer schmunzelnd. Er kannte DeFalco aus seiner Akademiezeit sehr gut und wusste, dass ihm sein Ruf als Witzbold, Clown, Frauenheld und so weiter vorauseilte, er wusste aber auch, dass Sanchez sein Talent als Ingenieur erkannt hat und auch Sanchez ist es zu verdanken, dass DeFalco seine Beförderung vom Fähnrich zum Lieutenant erhalten hat, trotz gelegentlicher Eskapaden und Meinungsverschiedenheiten.

„Also wirklich Captain!“ Der ebenfalls anwesende DeFalco schien regelrecht aufzufahren.

Sanchez hakte ein: „Hm...“ und lachte. „Ist ja nur für ein paar Tage...“

DeFalco zeigte seinen grimmigsten Gesichtsausdruck, allerdings nur für einige Sekunden. Danach verwandelte er sich in ein fröhliches, breites Lächeln.

Spencer, ebenfalls grinsend, sagte nach einigen Sekunden: „Also, dann ist ja jetzt alles soweit geklärt. Wenn Sie oder Sie“, er deutete auf die Teamleiter Thola und Sanchez, „noch irgendetwas benötigen, sagen Sie Bescheid. Wenn dann keine weiteren Fragen mehr sind“, er blickte einmal in die ganze Runde und wartete kurz, „dann ist diese Sitzung hiermit beendet.“

„Die Mitglieder vom Team ‚Sanchez‘ melden sich bitte in einer Stunde im Shuttlehangar!“, rief Sanchez, um das allgemeine Aufbruchsgemurmel zu übertönen.

„Und die Mitarbeiter im Team ‚Thola‘ bitte ebenfalls!“, ergänzte Thola, noch bevor der erste den Ausgang passiert haben konnte. Spencer ging als letzter, sichtlich zufrieden. Beim Hinausgehen zwinkerte er noch DeFalco zu.

Eine Stunde später trafen sich im Hangar Thola, Jones, Xuma, DePorter, Johnson, Sanchez, H'Korr, Berger und Müller.

Müller kam als letzter und sagte, nicht sehr laut, doch die einzigartige Akustik im größten Raum auf dem ganzen Schiff ließ seine Stimme sehr laut klingen: „Alle anwesend? Alles klar. Also, ich habe gerade Phaserkanonen in die beiden Shuttles einbauen lassen. Das Team ‚Thola‘ nimmt bitte die Mandela, wir werden die Kopelev nehmen. Es ist alles vorbereitet.“

Die Teammitglieder betraten ihre Shuttles und begannen mit den Startvorbereitungen.

„Müller an Johnson. Sie lassen mich zuerst starten, ja?“

„Johnson hier. Klar, Chef!“

In beiden Shuttles begannen die Insassen zu lächeln. Nach kurzer Zeit erhielten sie Startfreigabe, beide Shuttles erhoben sich und durchflogen das Kraftfeld. Die Mandela flog in Richtung Kaus V, Sanchez‘ Shuttle nahm nach einer Sensorabtastung Kurs auf die nächstgelegene Raketenabschussvorrichtung.

„So. Haben Sie sich schon Gedanken gemacht, wie wir den Raketen beikommen sollen?“, fragte Sanchez.

„Vielleicht durch ein Selbstzerstörungskommando?“, überlegte H'Korr.

„Da muss ich Sie enttäuschen“, sagte Berger. „Ich bin das gesamte Computersystem zweimal abgegrast. Es gibt weder eine Selbstzerstörung, noch eine Möglichkeit, das System zu überladen, noch die Raketen innerhalb ihrer Abschussvorrichtungen detonieren zu lassen. Zumindest nicht von hier aus.“

„Was meinen Sie damit?“, fragte Sanchez nach.

„Ich rechne damit, dass es ebenfalls Computerterminals innerhalb der Abschussvorrichtungen gibt, wo wir mehr Zugriffsrechte erhalten. Wir sollten dorthinfliegen und sehen, dass wir hineinkommen.“

„Wenn wir überhaupt hineinkommen können“, brummte Müller.

„Vielleicht gibt es einen Zentralcomputer?“, überlegte H'Korr laut. „Ich konnte die genaue Quelle der Kommunikationssignale nicht lokalisieren.“

„Wir werden es bald wissen“, unterbrach Sanchez.


Währenddessen verlief der Flug auf dem anderen Shuttle viel ruhiger. Xuma erklärte Jones und DePorter kurz all die seltsamen Zwischenfälle während ihrer Rettungsaktion, während Thola mit Sensorscans begann.

„Wir nähern uns Kaus V. Entschuldigen Sie die Frage, Sir“, unterbrach der Pilot Johnson Thola bei seiner Arbeit, „wo soll ich landen?“

Thola blickte auf und überlegte kurz.

„Wir sollten systematisch vorgehen. Ich habe gerade ein willkürliches Längen- und Breitengradsystem für Kaus V erstellt. Halten Sie auf 0° Länge und 0° Breite die Position. Wir beginnen dann mit unseren Scans. Wir landen nur, wenn uns irgendetwas auffällt, um es dann näher zu untersuchen. Halten Sie sich bereit!“

Jones und DePorter nickten und begaben sich zu ihren Konsolen. Die Biologin DePorter begann damit, die Sensoren zu rekalibrieren, eine Maßnahme, die Thola immer empfahl, bevor man eine größere Untersuchung begann. Jones nahm ebenfalls noch einige Diagnosen vor.

„Beginne Anflug. Kurs auf 0,0°“, meldete Johnson und er begann den Sinkflug in die Atmosphäre von Kaus V.

„Bestätigt“, sagte Thola knapp ohne von seinen Instrumenten aufzublicken. Xuma sah gelangweilt aus dem Fenster, beobachtete die Lichteffekte beim Eintritt in die Atmosphäre und wartete auf das Glühen, das sie bei ihrer ersten Mission auf Kaus V beobachtet hatten und für das keine Erklärung zu finden war.

Nachdem sie die Atmosphäre durchstoßen hatten, begann Johnson, sich mit Tholas Gitternetzsystem vertraut zu machen. Xuma wandte sich an Thola: „Das seltsame Glühen war nicht wieder aufgetreten, Sir.“

„Was?“, Thola drehte sich verwirrt um, aber wusste einen Moment später, worum es ging: „Offensichtlich haben die Tzenkethi ihr Gerät beim Soldatenabzug mitgenommen.“

„Oder nur abgeschaltet“, warf Jones ein. „Ich denke, ein Gerät, welches die Transportererfassung für einige Quadratkilometer hemmt, erfordert größere Installationen, als man einfach an einem Tag abräumen kann. Andererseits würde ein gezielter Phaserschuss auch jeden Aufwand der Demontage ersparen, denke ich.“

„Da könnten Sie recht haben“, meinte Thola.

Nach einer kurzen Zeit meldete Johnson: „Wir haben Koordinatenpunkt 0,0 erreicht.“

„Danke, Fähnrich. Starten Sie Manöverdüsen und fliegen Sie mit 300 km/h los. Parallelkurs zum Breitengrad. Jones, Xuma, DePorter: Scans beginnen. Sobald sie etwas Ungewöhnliches bemerken, melden Sie sich. Wir sind zur umfassenden Erforschung hier“, befahl Thola.

„Manöverdüsen gestartet!“, gab Johnson bekannt.


„So. Wir nähern uns dem Objekt...“, meldete Müller und suchte auf seinem Monitor die entsprechende Nummer. Berger hatte bei seinen Vorbereitungen jedes Objekt, welches die Scanner orten konnten, durchnummerieren lassen, so dass jedes eindeutig zu identifizieren war „... 12 und stoppe Schiff in Transporterreichweite“, vervollständigte Müller seinen vorhin begonnenen Satz.

„Mr. Berger, ist dort unsere Computerkonsole?“, fragte Sanchez.

„Es sieht nicht so aus. Die Sensoren zeigen nur Computerschaltkreise, die Abschussvorrichtung und einen Vorrat an fünf Raketen sowie eine externe Antenne an. Es gibt keinen Raum, in dem sich etwaige Kontrollen befinden könnten.“

„Eine Antenne?“, fragte H'Korr. „Vielleicht für den Datenaustausch mit einer Zentrale.“

„Ich denke auch“, nickte Berger.

„Und was heißt das?“, fragte Sanchez.

„Wenn jede Abschussvorrichtung über diese Antenne direkt mit dem Zentralcomputer in Verbindung steht, müsste dieser eine Position innehaben, von der er von jedem Modul zu jeder Zeit erreichbar sein muss. Da sollten wir suchen“, meinte Berger.

Sanchez überlegte kurz: „Und wo soll sich diese Position befinden?“

Berger legte wortlos eine taktische Anzeige auf den Zentralschirm, die die Positionen aller Abschussvorrichtungen relativ zum Sternensystem zeigte.

„Wie sie sehen, ist das gesamte Sternensystem von vier Ringen mit jeweils acht dieser Vorrichtungen völlig umgeben. Diese Ringe haben eigentlich das Format von in einen Kreis einbeschreibbaren Octagonen.“ Sanchez und Müller verdrehten die Augen, doch Berger schien dies nicht zu bemerken und fuhr fort: „Durch diese Anordnung ist jeder Punkt in der Sphäre, die entsteht, wenn alle Punkte, das heißt alle Vorrichtungen verbunden werden, zu erfassen, und zu attackieren. Computer, markiere alle Punkte im Sternensystem, die zu jeder Zeit von den markierten Objekten per Funk erreicht werden kann.“

„Es gibt keine Punkte, die zu jeder Zeit von allen Objekten erreicht werden können“, meldete nach kurzer Zeit die Sprachprozessorstimme des Shuttlecomputers.

„Begründung!,“ befahl Sanchez.

„Durch die Existenz der Sonne und der Planetenbewegungen ist jeder Punkt mindestens einmal innerhalb der Umlaufdauer des äußersten Planeten nicht erreichbar oder wird durch ein Objekt besetzt.“

Berger kam eine Idee. „Computer, beschränke den Zeitraum auf T minus 2 Wochen und T plus 2 Wochen mit T gleich jetzt und wiederhole letzte Analyse!“

„Was?“, fragte Müller und schaute Berger dabei entgeistert an.

Berger lächelte und antwortete: „Ich habe den Computer angewiesen, die Analyse auf einen Zeitraum von zwei Wochen vor und nach dem jetzigen Tag zu beschränken. Vielleicht waren die Tzenkethi davon ausgegangen, dass sie innerhalb eines Monats das System erobert hätten, dank ihrer gesicherten Nachschublinien.“

„Ah ja.“ Müller schien zu verstehen, schüttelte aber dennoch den Kopf.

„Analyse beendet. Punkte markiert“, meldete der Computer.

Sie blickten auf die Anzeige auf dem Hauptschirm und Sanchez nickte zustimmend.


„Ersten Umlauf abgeschlossen!“, meldete Johnson.

„Halten Sie diese Position. Wie groß waren ihre Abtastreichweiten?“, fragte Thola. „Wenn's geht, bitte im Breitengradmaß.“

„5°“, meldete Jones, der die EM-Bänder auf etwaige Maschinenaktivität überwachte.

„6°“, vermeldete Xuma, der die Anzeige auf bekannte Lebensformen sowie Störfelder untersuchte.

„2°“, meldete die Biologin DePorter.

„Und ich hatte 4° mit allen übrigen Bändern, der Computeranalyse und der Zusammenfassung. Fähnrich, wieso nur 2 Grad?“, richtete Thola etwas vorwurfsvoll seine Frage an DePorter.

„Sir, ich wollte sichergehen, dass ich nichts übersehe. Außerdem musste ich mich und die Geräte zuerst auf die hiesige Biologie einstellen. Dafür habe ich jetzt auch alle Analysen abgeschlossen. Für die nächsten Umläufe denke ich, dass 4° bis 4.5° möglich sein werden“, rechtfertigte sie sich.

„Alles klar. Mr. Johnson: Gehen Sie auf 4°, 0° und sagen Sie Bescheid, wenn es weitergehen kann.“

Johnson flog den Punkt an und gab Thola ein Zeichen. „Und weiter geht's!“, bestimmte dieser.

So ging es einige Zeit weiter. Xuma hatte bereits einige Male radioaktive Verseuchung gemeldet und DePorter bestätigte mit Schäden an der Flora und Fauna. Thola vermerkte die entsprechenden Areale für spätere Entgiftung, als Jones plötzlich Aktivität voraus ankündigte. Xuma bestätigte und vermutete aufgrund seiner Messwerte destruktives Potenzial. Thola veranlasste sofortigen Stopp und die Aktivierung der Schutzschirme. Alarmsirenen ertönten im Shuttle.

„Legen Sie den entsprechenden Bereich auf den Schirm! Mr. Johnson, laden Sie den Phaser und nähern Sie sich langsam. Mr. Jones, geben Sie ihm die exakten Koordinaten!“

„Aye, Sir!“, bestätigte allerdings Xuma, weil Jones damit beschäftigt war, die Schilde oben zu halten und den Phaser aufzuladen. Er aktivierte einige Tasten, um die angeforderten Koordinaten ans Steuerpult zu Johnson zu übermitteln und Jones meldete, dass der Phaser bereit sei.

„Gut. Mr. Johnson, fliegen Sie in Waffenreichweite! Mr. Xuma: Irgendwelche Lebenszeichen?“

„Ich erhalte unbestimmte Anzeigen“, meldete Xuma und DePorter fügte ungefragt hinzu: „Ich registriere mehrere schwächere Lebenszeichen von Tieren sowie tote Körper.“

„Vorsichtig weiterfliegen“, ordnete Thola an. „Offensichtlich reagiert da etwas auf Bewegung.“

Das Shuttle beschleunigte wieder, plötzlich schoss ein Strahl aus dem Wald am Boden und traf das Shuttle an seiner Unterseite. Die junge DePorter schrie kurz auf, sie war wohl zum erstenmal unter Beschuss und auch Johnson machte den Eindruck, als wäre er auch schon mal ruhiger gewesen.

„Schilde halten und auf 95%, Sir!“, meldete Jones.

„Phaser auf Ziel und feuern!“, gab Thola ruhig Anweisung.

„Aye, Sir. Phaser feuern“, bestätigte Johnson leicht aufgeregt, doch Thola, der neben ihm auf dem Sitz des Kopiloten saß, legte ihm beruhigend die Hand auf die Schulter. „Ruhig, Fähnrich.“

Grelle Phaserstrahlen schossen aus der Kanone, die am Bug des Shuttles montiert war. Jones veränderte die Zielkoordinaten leicht, seinem Scan entsprechend, so dass die Strahlen im Endeffekt einen ganzen Bereich bestrichen. Der Strahl, der aus dem Wald auf das Shuttle schoss, wurde schwächer, kam dann nur noch in Intervallen, bis er dann schließlich ganz aufhörte.

„Phaser deaktivieren. Das war's. Ich glaube aber nicht, dass das die einzige Überraschung sein wird, die auf uns hier wartet“, ließ sich Thola vernehmen.

Jones berührte einige Tasten und der Phaserstrahl erlosch. „Schilde auf 87% und Hauptenergie auf 68%. Sir, die Fliegerei mit Manöverdüsen und jetzt dieser Schusswechsel frisst ganz schön Energie!“

„Was schlagen Sie vor, Mr. Jones?“, fragte Thola.

„Ich würde empfehlen, ohne Schilde weiterzufliegen und nach dem halben Planeten mindestens eine Stunde Pause zu machen, um die Energiezellen wieder aufzuladen“, antwortete Jones.

Thola war anfangs unentschlossen, stimmte aber schließlich zu. „Weiter geht's, Mr. Johnson.“

„Aye, Sir!“, sagte er, diesmal ruhiger. Fähnrich DePorter wandte sich wieder ihren Scannerdaten zu, noch sichtlich aufgewühlt.


„Das sieht schon besser aus, Fähnrich. Gute Arbeit!“, sprach Sanchez seine Meinung von Bergers Analysefähigkeiten aus. Auf dem Schirm waren nur zwei blau eingefärbte Rechtecke sichtbar, die die Bereiche darstellten, in denen sich die Zentraleinheit laut Aussage des Computers befinden müsste. Er berührte einige Kontrollschalter und bezeichnete die größere der markierten Flächen mit A und die kleinere auf der anderen Seite des Planetensystems mit B und sagte: „Computer. Speichere Bild auf Hauptschirm für spätere Verwendung. Mr. Müller, nehmen Sie Kurs auf die Mitte von Bereich A und bereiten Sie ein Suchmuster vor, falls unsere Sensoren nicht ansprechen.“

„Aye, Sir!“, bestätigte Müller. Der Computer gab einige Geräusche von sich und bestätigte ebenfalls: „Gespeichert.“

Das Shuttle nahm wieder Fahrt auf und steuerte auf einen Teil des Sternensystems zu, in dem sich im Moment nur leerer Raum befand, da sich die zugehörigen Planeten im Moment auf der anderen Seite des Sternensystem befanden. Berger bediente eifrig die Sensoren, um eine gründliche Abtastung vorzunehmen und Müller beschäftigte sich mit der Erstellung eines Kurses, der das Schiff in kürzestmöglicher Zeit zu jedem Punkt innerhalb des Bereiches A auf möglichst geringe Distanz bringen würde. Er meldete nach einer halben Stunde Flugzeit: „Wir sind da, Sir. Suchkurse fertig.“

„Danke, Chief. Mr. Berger, darf ich bitten?“, war Sanchez‘ Reaktion.

„Ja, Sir. Der vollständige Sensorscan dauert etwas. Ich möchte lieber sichergehen, obwohl ich die Hälfte bereits während des Fluges abgetastet habe.“

„Ist gut, Fähnrich.“

Sie warteten, bis Berger enttäuscht meldete: „Nichts gefunden, Sir.“

Sanchez überlegte. „Würde es Ihrer Meinung nach Sinn machen, den Suchkurs durchzuführen und vielleicht durch eine kleinere Entfernung die Sensoren genauer benutzen zu können?“

Berger überlegte, beriet sich kurz mit H'Korr und antwortete dann: „Unserer Meinung nach nicht. Wir müssten schon auf fünfzig Kilometer heran, um die Effizienz der Sensoren dramatisch zu erhöhen. Und das wäre auch nur sinnvoll, wenn dieser Computer getarnt wäre. Die Tzenkethi haben aber, soweit wir wissen, keine Tarntechnologie.“

„Aha. Wie ich hörte, hatte Mr. Thola auf der Brücke auch beim ersten Mal Schwierigkeiten, die Abschussvorrichtungen überhaupt zu erfassen. Könnte nicht hier ein ähnliches Problem der Fall sein?“, fragte Sanchez.

Berger verneinte: „Commander Thola hatte damals die Vorrichtungen an ihrer Energiesignatur erkannt. Inzwischen haben wir aber die Sensoren so modifiziert, dass sie sie auch im abgeschalteten Zustand trotz ihrer speziellen Oberfläche erkennen würden.“

„Gut. Dann sparen wir uns erstmal den Suchkurs und versuchen es im zweiten Bereich. Pilot, nehmen Sie Kurs auf den Mittelpunkt des Bereiches B. Volle Impulskraft.“


„Haben dreizehnten Umlauf abgeschlossen. Halten Position auf 92°, 0°“, meldete Johnson, nachdem sie jetzt den halben Planeten ohne weitere größere Zwischenfälle gescannt hatten, und nur vereinzelte Schäden, Kontaminationen oder Überbleibsel von Schlachtfeldern gefunden hatten. „Hauptenergie auf 37%“, fügte Jones hinzu.

„Danke, Mr. Jones. Wie lange brauchen die Energiezellen, bis sie wieder aufgeladen worden sind?“

„Eineinhalb Stunden, Sir“, sagte Jones, nachdem er seine Berechnungen nochmals überprüft hatte.

„OK. Wir machen für diese Zeit Pause. Mr. Johnson: Landen Sie hier. Mr. Jones: Veranlassen Sie alles nötige zum Wiederaufladen! Dann machen Sie eine Pause oder sehen Sie nochmals die gesammelten Daten durch“, gab Thola Anweisungen und ging in den hinteren Bereich des Shuttles. Er hörte gerade noch, wie Jones und Johnson den Fusionsreaktor hochfuhren, um die Energiezellen wieder aufzuladen.

Er freute sich, dass sein Team eines der beiden großen Warpshuttles genommen hatte, da es den fünf Leuten wesentlich mehr Bewegungsfreiheit im Cockpit und mehr Energie für die Geräte zur Verfügung stellte, aber auch weil es Replikatoren, Waschräume und eine Art Freizeitraum mit einem Tisch und mehreren Stühlen im hinteren Teil der Shuttlekapsel bot.

DePorter ging an ihm vorbei, er vermutete, dass sie sich erstmal eine große Tasse takalearanischen Tee holte, um sich von dem Angriff vorhin zu erholen und zu entspannen. Auch Xuma und Jones kamen und setzten sich, DePorter kam vom Replikator zurück und setzte sich dazu. Auf Nachfrage Tholas meinte Jones: „Johnson kommt auch gleich, er will allerdings noch schnell eine Diagnose der Manövriertriebwerke durchführen. Sie sind nicht dafür gedacht, stundenlang benutzt zu werden. Ich will aber nicht hoffen, dass er etwas findet, sonst muss ich es ja reparieren.“

Johnson kam wenig später und meldete zu Jones' Erleichterung: „Alles in Ordnung!“

„Danke, Fähnrich“, war alles, was Thola sagte. Johnson beriet sich kurz mit Xuma und Jones und fragte Thola: „Möchten Sie auch etwas trinken, Sir?“

Thola blickte auf. „Was? Hm, ja, eine Tasse Kaffee bitte“, sagte er und wirkte dabei leicht geistesabwesend.

Kurze Zeit später kam Johnson wieder und brachte drei Tassen verschiedener Getränke mit, die er dank seiner drei Arme mühelos transportieren konnte und stellte sie für Thola, Xuma und Jones auf den Tisch. Er verschwand noch einmal kurz und holte sich sein eigenes Lieblingsgetränk, edoanischen Quittensaft. Dann setzte er sich zu den anderen und unterhielt sich. Thola übertrug währenddessen alle Daten aus dem Hauptcomputer in sein PZAG und sah sie durch.

9

Logbuch der Cousteau, Sternzeit 21176.5, Commander Spencer: [04.03.2344 14:22:34]:

Wissenschaftsoffizier Thola und Chefingenieur Sanchez sind beide mit jeweils einem Team in einem Shuttle unterwegs, um Kaus V auf Schäden zu untersuchen beziehungsweise das Minenfeld abzuräumen. Lieutenant Hwang und Lieutenant Hellmann vertreten mich auf dem Schiff, während ich mich auf Kaus VI aufhalte und die Fortschritte der Verhandlung beobachte. Alles den Umständen entsprechend ruhig.

Spencer sprach diese Aufzeichnung in sein PZAG, mit dem er die Verhandlungen auf dem Planeten dokumentierte. Er war mehr und mehr beeindruckt vom Verhandlungsgeschick Sarans, während er in den letzten drei Stunden mit am Verhandlungstisch gesessen hatte. Zuerst wollten die Tzenkethi seiner Gegenwart nicht zustimmen, aber als er versichert hatte, dass er nur als ‚neutraler Beobachter‘ da sei, gaben auch sie ihre Zustimmung.

In einer Verhandlungspause sprach er mit Coreman, der meinte: „Sir, also wenn Sie mich fragen, das hier läuft mir alles zu glatt. Sehen Sie, der Tzenkethi-Leiter ist nur dreimal ausgerastet, der Andorianer nur einmal. Das ist unter dem Durchschnitt.“

Spencer schaute in prüfend an und antwortete: „Na, na. Schmälern Sie nicht Sarans Leistung. Er macht das ganz vortrefflich.“

„Das kann schon sein, ich würde jedenfalls auf der Hut bleiben. Da braut sich noch was zusammen“, meinte der Sicherheitsoffizier.

Spencer winkte ab, ging ein Stück weiter ans Ufer der Insel und setzte sich, um diese Gedanken Coremans seinem Bericht auch noch hinzuzufügen.


„So, das wär's, Leute!“, sagte Thola plötzlich und unterbrach die Unterhaltung der anderen abrupt. „Eineinhalb Stunden sind um, es geht weiter!“

„Ja, Sir!“, hörte man den einen und die andere murmeln, als sie aufstanden und die Überreste ihrer Mahlzeit zurück in den Replikator stellten. Thola, der sich nur eine Tasse Kaffee genehmigt hatte, saß bereits wieder im Cockpit und bereitete die Sensoren vor. Nach und nach trafen auch die übrigen wieder ein, zuerst Jones, dann Johnson, schließlich Xuma und zuletzt DePorter.

Nachdem auch sie an ihrer Station Platz genommen hatte, gab Thola das Zeichen zum Start. Das Shuttle hob ab und sie nahmen den Flug wieder auf. Nach fünf Minuten Flugzeit meldete Xuma: „Sir, wir nähern uns einem Bauwerk. Peilung 352 in 10 km Entfernung.“

„Ja, ich habe es auch. Ist es das, in dem die Botschafter festgehalten wurden?“, fragte Thola.

Johnson antwortete an Xumas Stelle, nachdem er auf seine Anzeigen geblickt hatte: „Nein, Sir. Das war viel weiter südlich. Das muss etwas anderes sein.“

„Alles klar. Nehmen Sie Kurs und kreisen sie!“

Johnson veränderte den Kurs und das Shuttle schwenkte in eine Art Umlaufbahn in knapp fünf Metern Höhe ein.

„Sir, ich messe Maschinenaktivität an. Und schwache Subraumfelder?!“, meldete Jones.

„Subraumfelder? Dann könnte das eine Art starker Generator sein?“, fragte Thola

„Zum Beispiel. Oder ein Computersystem. Unsere Computer auf der Cousteau erzeugen ja ebenfalls ein Subraumfeld, wenn auch ein recht schwaches“, antwortete Jones.

„Dann gehen wir runter und sehen uns das an“, ordnete Thola an.

„Aye, Sir!“ Johnson begann mit den Landevorbereitungen und setzte das Schiff kurz vor dem Eingang auf.


„Sir, Zielpunkt erreicht!“, meldete Müller.

„Danke.“ sagte Sanchez und Berger begann ungefragt mit den Scanneranalysen. Nach kurzer Zeit meldete er niedergeschlagen: „Nichts, Sir!“

„Das wäre ja auch zu einfach gewesen“, murmelte Sanchez. „Was haben wir denn übersehen?“

„Es besteht ja immer noch die Möglichkeit, dass es getarnt ist“, meinte H'Korr.

„Dann wären wir aber zwei Tage mit den Suchkursen unterwegs“, brummte Müller. „Ich habe nämlich die Zeit unterwegs sinnvoll genutzt und die Dauer berechnet.“

Sanchez blickte ihn missbilligend an.

„Computer lügen nicht, oder?“, fragte Müller ausweichend.

„Was meinen Sie?“, fragte Berger.

„Sehen wir uns noch mal die Computergrafik an. Vielleicht haben wir etwas übersehen?“

„Computer: Lade Datei Sanchez-83074 und lege sie auf den Hauptschirm!“, befahl Sanchez dem Computer. Sofort erschien die altbekannte Anzeige wieder auf dem Schirm.

„Hier sind die beiden Bereiche, die der Computer ausgespuckt hat. Wo soll da denn noch etwas sein?“, fragte Sanchez.

„Einen Moment mal. Vielleicht gibt es noch einen dritten Bereich, der zu klein ist, um dargestellt zu werden?“, warf H'Korr ein.

Fähnrich Berger sprang auf und schnippte mit dem Finger: „Das kann natürlich sein. Als ich das alles kurz überschlagen habe, ist mir noch ein Bereich eingefallen. Durch eine ungewöhnliche Orbitalabweichung ist...“

„Wir wollen's gar nicht wissen, Fähnrich“, sagte Sanchez und atmete entnervt aus. „Computer: Kreise jeden markierten Bereich ein!“ sagte Berger und drehte sich entschuldigend um.

Sanchez nickte. „Schon gut.“ und schaute auf dem Hauptschirm auf dem sich nur zwei Kreise um die Bereiche A und B befanden. „War wohl nichts?!“, brummte Müller, doch Sanchez hatte eine Idee: „Computer: Vergrößere die Kreise, so dass sie mindestens einen Zentimeter Durchmesser auf unserem Bildschirm haben.“

Plötzlich tauchte ein dritter Kreis auf dem Bildschirm auf.

„Oho. Computer: Vergrößere Planquadrat 1C!“, sagte Sanchez überrascht. Auch Berger konnte sich eine sichtbare Reaktion seiner Augenbrauen nicht verkneifen, die einen gehörigen Satz nach oben machten.

Und tatsächlich gab es einen weiteren Bereich, der allerdings viel zu klein war, als dass er ohne weiteres auf dem Bildschirm hätte angezeigt werden können und den sie deshalb auch beim ersten Mal nicht festgestellt hatten.

„Sehr gut. Mr. Müller, nehmen Sie Kurs auf diesen Bereich. Sieht wohl doch so aus, als wären wir zum Essen zurück“, sagte Sanchez schmunzelnd.

„Aye, aye, Sir!“ Müller bediente geradezu genüsslich die entsprechenden Schalter und das Shuttle nahm wieder Fahrt auf.


„Shuttle gelandet!“, meldete Johnson währenddessen. Er hatte ihr Shuttle kurz vor dem Eingang aufgesetzt. Es war ein ziemlich großer, aber hastig errichteter Gebäudekomplex mit mehreren Hallen und Abschnitten.

„Danke. Wir steigen aus und untersuchen das Gebäude. Das scheint die Basis der Tzenkethi zu sein. Mr. Johnson, sie bleiben hier. Jeder nimmt sich einen Phaser und dann los!“, ordnete Thola an.

Sie bewaffneten sich und stiegen aus, DePorter etwas zögerlich. Xuma fragte sie: „Ihre erste Außenmission, Tess?“

„Ja, Antoine“, antwortete sie.

„Über mangelnde Action können sie sich wohl nicht beklagen?“

Sie schüttelte den Kopf: „Weiß Gott nicht!“ und vollendete das Manöver des Aussteigens.

Thola schritt voran und blickte auf seinen Tricorder. „Scheint keiner drin zu sein. Trotzdem vorsichtig!“, sagte er knapp.

Er stapfte langsam voran und die anderen folgten. Nachdem alle drin waren und sich kurz umgesehen hatten, meldete Jones: „Sir, ich habe die Quelle der Subraumfelder lokalisiert. Hier vorne.“ Er wies mit der Hand auf die Stelle, an der sich aber nur eine normale Computerkonsole befand.

„Hier?“, fragte Thola verwundert.

„Ja, hier“, antwortete Jones. „Zwischen dieser Wand und der Außenwand ist etwa fünf Meter Platz. Platz genug für einen Generator oder so etwas.“

„Haben die ihren Generator eingemauert oder was?“, fragte DePorter.

Thola schüttelte den Kopf. „Ich weiß es nicht. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass es keinen Zugang gibt.“

„Vielleicht nicht von hier aus. Meine Messungen zeigen an, dass sich die Leitungen im ganzen Bau verteilen. Sie benutzen offensichtlich eine andere Art von Energie als wir, weil ich Strahlungsrückstände in den Leitungen messen kann. Und aufgrund der Strahlungsmenge würde ich sagen, dass diese Leitungen ziemlich gut isoliert sein müssen“, berichtete Jones, nachdem er eine umfangreiche Sondierung vorgenommen hatte.

„Offensichtlich aber nicht gut genug. Ich registriere an einigen Stellen in diesem Gebäude überhöhte Strahlungswerte, die so langsam durchsickern“, meldete DePorter.

Thola aktivierte seinen eigenen Tricorder und führte ebenfalls eine gründliche Analyse durch. „Stimmt. Das sieht wirklich nicht gut aus. Und vor allen Dingen, wenn wir nicht bald handeln, ist irgendwann die ganze Region verseucht. Los, zurück zum Shuttle. Wir müssen den Captain informieren.“


Auf der Brücke der Cousteau war es ruhig. Die Computerkonsolen summten leise ihre normalen Betriebsgeräusche, Hwang saß im Kommandosessel und betrachtete verträumt den Hauptschirm. Die Steuerkonsole neben ihr war unbesetzt und hinten an der Wissenschaftskonsole beobachtete Fähnrich Manelides routinemäßig die Sensoranzeigen. Nur Fähnrich Hallersvoort an der Kommunikationskonsole zeigte Aktivität und studierte fleißig einen Intensivkurs über klingonische Sprache. Dort begann plötzlich ein Signal aufzuleuchten und Hallersvoort schaute es erst ein paar Sekunden an, bevor er reagierte. „Ma'am, ich empfange hier einen Ruf von Commander Thola.“

Hwang wurde schlagartig wach. „Auf den Schirm!“

Thola und der Rest des Teams erschienen im Shuttlecockpit auf dem Hauptschirm und Hwang fragte: „Was gibt's?“

„Lieutenant, wir müssen den Captain sprechen. Es ist dringend, wichtig und nicht für die Ohren der Tzenkethi oder die Fühler der Andorianer bestimmt“, sagte Thola und Hwang verstand. Sie drückte auf einen Schalter des Intercoms: „Cousteau an Captain Spencer. Bitte kommen.“

Unten auf dem Planeten saß Spencer gerade am Verhandlungstisch und verfolgte intensiv den Dialog zwischen den drei Verhandlungsparteien, als plötzlich sein Kommunikator fiepte. „Bitte entschuldigen Sie mich“, sagte er leise und lief ans andere Ende der Insel. Erst dort öffnete er ihn und bestätigte: „Hier Spencer. Was gibt's, Miss Hwang?“

„Sir, hier ist ein Anruf von Commander Thola. Er meint, Sie müssten ihn hier oben entgegennehmen.“

Spencer verzog die Mundwinkel leicht, sagte aber in neutraler Stimme: „OK. Beamt mich rauf.“ Er winkte Coreman zu, der das Kraftfeld deaktivierte.

Hwang gab die entsprechenden Anweisungen an den Transporterraum und Spencer materialisierte kurze Zeit später auf der Transporterplattform. Als er auf die Brücke kam, sah er das Bild von Thola auf dem Schirm. Ohne sich hinzusetzen, fragte er: „Hier bin ich. Was ist denn so dringend, Frank?“

„Wir sind hier auf ein größeres Problem gestoßen, Captain. Wir haben die Tzenkethi-Basis gefunden. Verlassen. Und Lecks in ihrem Energiesystem beginnen die gesamte Region zu verseuchen.“

Spencer hatte sich bereits daran gewöhnt, dass man bei Tholas Berichten oft noch kräftig nachdenken musste, um zu verstehen, was gemeint war und so brauchte er auch hier einige Sekunden, um die Information zu verarbeiten.

„Sie meinen also, dass wir sofort vorbeikommen sollten, um die Strahlung zu neutralisieren? Wie schlimm ist es denn?“

„Wir haben zwar einige kleinere verseuchte Areale gefunden, aber was diese Basis hier in einigen Wochen anrichten wird... Wir bräuchten mindestens drei der Strahlungsnullisierer des Typs B. Und dann bleibt immer noch die Frage, was mit der Basis geschehen soll.“

„Schaltet doch einfach den Verursacher ab“, schlug Spencer vor.

„Der Verursacher ist abgeschaltet, er verliert aber immer noch Strahlung“, antwortete Thola.

„Hm.“ Spencer machte Hwang ein Zeichen, dass er sich setzen wollte. Sie verstand und wechselte in ihren angestammten Stuhl vor dem Steuerpult, damit Spencer sich in den seinen setzen konnte. Er kratzte sich am Kopf und fragte: „Keine Ideen?“

„Tut mir leid, Sir. Außer...“ Thola unterbrach sich.

„Ja?“

„Wir könnten natürlich mit einem Photonentorpedo die Basis vernichten und dann die Strahlung bekämpfen. Aber das können wir natürlich nicht“, fuhr Thola fort.

„Stimmt. Sonst finden wir nie heraus, wie unsere Transporter und Tricorder gestört worden sind“, sagte Spencer. „Spencer an DeFalco“, sprach er nach kurzer Überlegung ins Intercom. „Gerry, kommst du mal bitte rauf?“

„Ja, Sir“, war die Antwort. Nach kurzer Zeit kam er aus dem Turbolift und fragte: „Was ist denn los, Captain?“

Spencer neigte den Kopf zur Seite und wies Thola an, das Problem zu schildern.

DeFalco nickte ein paar Mal und begann selbst zu überlegen. „Den großen tragbaren Kraftfeldgenerator hat Coreman in Benutzung?“, fragte er und Spencer bejahte.

„Tja, das kommt davon, wenn man mit dieser saugefährlichen Strahlentechnologie arbeitet. Die anderen dürfen's immer ausbaden...“, murmelte DeFalco vor sich hin, als er plötzlich mit dem Finger schnippte: „Übertragen Sie mir alle Ihre Daten. Ich habe da eine Idee und würde sie gern ausarbeiten.“

Thola schaute Spencer an, der nickte. Daraufhin drückte Thola einige Tasten und DeFalco schritt zu Terminal I, um die Daten zu empfangen. Nach kurzer Zeit sagte er „Danke.“ und winkte ab.

„Machen Sie erstmal weiter. Wenn wir etwas Neues haben, melden wir uns. Cousteau Ende“, sagte Spencer und Hallersvoort schloss den Kanal.

„Ich gehe dann wieder runter. Jemand muss Saran informieren. Schließlich wird ja auch über diesen Planeten verhandelt. Miss Hwang, Sie übernehmen wieder.“

„Ja, Sir!“, sagte sie und wechselte flugs wieder in den Kommandosessel. Mit einem leichten Lächeln um die Lippen verließ Spencer die Brücke, fuhr in den Transporterraum, um sich wieder auf Kaus VI beamen zu lassen.


Nachdem Spencer den Kanal geschlossen hatte, erschien wieder das Außenbild auf dem Sichtschirm im Shuttle.

„Na schön. Dann machen wir weiter“, bestimmte Thola. „Mr. Johnson, heben Sie ab. Alle scannen weiter!“

Johnson bediente einige Schalter. Das Shuttle hob ab und nahm wieder Fahrt auf.


„Sir, wir nähern uns den Zielkoordinaten!“, meldete Müller.

„Verlangsamen!“, ordnete Sanchez an. „H'Korr, Berger?“

„Ich habe hier etwas auf meinen Sensoren. Allerdings erhalte ich unbestimmte Anzeigen. Da ist definitiv etwas, etwas, das unsere Sensoren stört.“

„Versuchen Sie die Sensorenfrequenz zu remodulieren“, schlug H'Korr vor.

„Bin dabei“, antwortete Berger, während seine Finger über die Bedienelemente seiner Konsole flogen.

„Stoppen Sie, bevor wir noch zu weit fliegen“, sagte Sanchez zu Müller, der das Shuttle sofort zum Stehen brachte.

Berger schüttelte den Kopf. „Ich empfange immer noch Unsinn.“

„H'Korr?“, fragte Sanchez.

„Sir?“ Sie drehte sich um und schaute Sanchez fragend an.

„Wenn hier ein Interferenzfeld erzeugt wird, wie können dann die Abschussvorrichtungen untereinander kommunizieren? Dann kommt hier doch auch nur Unsinn an, oder?“

„Allerdings, Sir.“

„Wenn wir eine der Abschussvorrichtungen aktivieren und diese mit dem Zentralcomputer Kontakt aufnimmt, müsste er dann nicht auf seine Störungen verzichten?“

„Das kann gut sein“, Berger überlegte kurz. „Das einfachste wäre ein Diagnoseprogramm. Ich bereite es vor.“ Er benutzte die Kommunikationsvorrichtung des Shuttles. „Initiiere Diagnoseprogramm. Abschussvorrichtung 18 müsste gleich Kontakt aufnehmen.“

„Es funktioniert, Sir. Ich erhalte klare Messungen“, sagte H'Korr.

„Und?“, fragte Sanchez.

Berger bewegte sich mit seinem Stuhl zu H'Korr hinüber und sah sich die Anzeigen an.

„Da ist wirklich etwas. Eine normale Atmosphäre und mehrere Computerstationen. Ich gehe hinüber.“

„Nicht ganz, Mr. Berger“, antwortete Sanchez. „Ich gehe mit. H'Korr, Müller, sie bleiben hier.“ Er gab die Koordinaten der Computerstationen in den Shuttlecomputer ein.

Sanchez und Berger gingen zum Notfalltransporter, und forderten Müller auf, diesen zu aktivieren. Er tat es und sie materialisierten in einem vollständig dunklen Raum. Berger gab ein seltsames Kauderwelsch von sich und plötzlich flammte dunkles Licht auf und auch die Computerkonsolen erwachten zum Leben.

„Was war denn das?“, fragte Sanchez irritiert.

„Ich habe ‚Computer, Licht‘ und meinen Zugangscode in ihrer Sprache gesagt. Ich habe mir die Phonetik vom Computer vorsprechen lassen und auswendig gelernt“, meinte Berger.

Sanchez seufzte. „Sie überraschen mich immer wieder.“

„Ich hoffe doch im Positiven“, sagte Berger und schmunzelte.

Sanchez ging wortlos zu den Konsolen. „Dann fahren Sie mal fort, mich zu überraschen und sagen Sie mir, ob es hier ein Selbstzerstörungskommando gibt.“

Berger bediente einige Kontrollschalter und sah das Menü durch. Er holte seinen Tricorder heraus und machte einige Abfragen. Sanchez sah genauer hin und stellte fest, dass Berger den Universalübersetzer benutzte.

Berger meinte dazu: „Auf der Cousteau hatte ich auf automatische Übersetzung geschaltet. Hier muss ich alles via Tricorder durchgehen.“

„Auch gut“, brummte Sanchez. Er sah sich um, konnte aber nicht viel entdecken, als Berger plötzlich sagte: „Es gibt zwar kein Selbstzerstörungskommando, man kann aber sowohl Raketen manuell abschießen als auch den Startmechanismus blockieren. Ist auch besser so.“

„Endlich eine gute Nachricht. Wieso?“, fragte Sanchez und bezog sich damit auf den letzten Satz Bergers.

„Weil eine Selbstzerstörung aller Abschussvorrichtungen den unerwünschten Nebeneffekt hätte, dass die Gesamtsprengkraft einige Umlaufbahnen von Planeten in diesem System verschieben würde“, meinte Berger augenzwinkernd.

„Gut, Fähnrich. Ich sage Bescheid, dass die Cousteau die Andorianer und die Tzenkethi informieren soll, bevor's losgeht“, meinte Sanchez und öffnete den Kommunikator. „Sanchez an H'Korr.“

„H'Korr hier.“

„Schalten Sie sich bitte als Verstärker dazu. Ich muss den Captain sprechen.“

„Aye, Sir. Fertig.“

„Sanchez an Captain Spencer. Sanchez an Captain Spencer“, sprach er dann in sein Gerät, in der Hoffnung, dass Spencer ihn empfing.

Nach kurzer Zeit bekam er Antwort in Form einer schwachen Stimme: „Hier Spencer. Was gibt's?“

„Sanchez hier. Wir haben eine Möglichkeit gefunden, die Minen abzuräumen, in dem wir jede Vorrichtung mit Hilfe ihrer eigenen Raketen krepieren lassen.“

„Schwierig?“

„Kein Problem, Sir. Aber würden Sie bitte die Leute informieren, damit sich keiner erschreckt, wenn's kracht?“

„Ach so, ja, gut. Ich melde mich, wenn's soweit ist. Spencer Ende“, war Spencers Reaktion.

„Und?“ fragte Berger etwas ungeduldig.

„Nun, er meldet sich, wenn's soweit ist“, wiederholte Sanchez trocken.


„Zweiundzwanzigsten Umlauf abgeschlossen. Befinden uns auf Koordinaten 172,0°“ meldete Johnson.

Nachdem für fünf weitere Umläufe nach dem Start von der Basis nichts mehr zu vermelden war, hatte Thola auf 500 km/h beschleunigen lassen, um mit der Sondierung schneller fertig zu werden. Außer dem Gebäude, aus dem sie die Diplomaten befreit hatten, einigen weiteren großen Schlachtfeldern und mehreren verlassenen Gebäuden hatten sie nichts mehr von Bedeutung gefunden.

„Die meisten Kämpfe fanden wohl auf der Nordhalbkugel statt“, überlegte Xuma laut.

„Kontaktieren Sie die Cousteau!“, ordnete Thola an.

„Sie können sprechen, Sir!“, sagte Johnson.

„Thola an Cousteau! Wir haben den Scan abgeschlossen. Erbitten weitere Anweisungen!“

Das Bild Hwangs erschien auf dem Schirm: „Hwang hier. Kommen Sie zurück, wenn sie fertig sind. Befehl des Captains.“

„Verstanden“, sagte Thola, schloss den Kanal und gab Anweisung an Johnson zu starten und Kurs auf die Cousteau zu nehmen.


Spencer hatte die Verhandlungen kurz unterbrochen, um die Delegierten über die bevorstehende Zerstörung der Raketenabschussvorrichtungen zu unterrichten und gab ihnen die Erlaubnis, das Kommunikationsmodul zu benutzen, um ihre Leute auf den Schiffen im Orbit zu informieren.

Saran dankte Spencer dafür, weil die Tzenkethi so sich ihren letzten Vorteils beraubt sahen und die Verhandlungen nun vielleicht reibungsloser verlaufen würden, da jetzt keinerlei Ansprüche mehr seitens der Tzenkethi auf dieses System geltend gemacht werden könnte. Die Delegierten kamen zurück und Spencer entfernte sich zufrieden, um Sanchez mitteilen zu können, dass sie beginnen könnten.

„Spencer an Cousteau. Schalten Sie mich auf Verstärker und rufen Sie Sanchez.“

„Aye, Sir“, bestätigte Hallersvoort und begann mit der Schaltung. „Schaltung steht.“

„Danke. Spencer an Sanchez!“

„Sanchez hier!“, kam die Stimme aus dem Kommunikator, dieses Mal wesentlich deutlicher, wegen der größeren Sendeleistung der Cousteau.

„Sie können beginnen“, gab Spencer durch. „Und sehen Sie zu, dass sie nichts dauerhaft beschädigen.“

„Aye, aye, Sir. Kein Problem“, sagte Sanchez.

Spencer musste schmunzeln und schloss den Kanal: „Spencer Ende!“


Sanchez gab den Hinweis an Berger weiter.

„Die Vorrichtungen sind Gott sei Dank weit genug weg, um einzeln irgendwelchen Schaden zu bewirken“, meinte er dazu.

„Also dann. Los geht's“, sagte Sanchez und fuhr fort, diesmal zum Kommunikator: „Müller, es geht los. Nehmen Sie lieber die Schilde hoch.“

„Ja, Sir“, bestätigte Müller. Sanchez schloss den Kanal.

Fähnrich Berger tippte auf der Konsole und zerstörte nach und nach eine Vorrichtung nach der anderen, indem er zuerst den Abwurfmechanismus blockierte und dann die Raketen scharf machte, so dass die Raketen nach kurzer Zeit unabgeschossen explodierten und dabei den gesamten Mechanismus zerstörten.

Dies alles wiederholte er vierundzwanzigmal und danach sagte er: „Fertig, Sir. Das war's.“

„Vielen Dank, Fähnrich.“

„War mir ein Vergnügen, Sir“, meinte Berger grinsend.

„Sanchez an H'Korr!“, sprach Sanchez nun in seinen Kommunikator.

„H'Korr hier!“

„Aktivieren Sie die Notfalltransporter und holen Sie uns an Bord!“

„Aye, Sir.“

Sanchez und Berger materialisierten wieder im Shuttlecockpit, ersterer forderte einen Statusbericht von H'Korr.

„Ich habe die Explosionen verfolgt. Vierundzwanzig an der Zahl, keine Schäden an Planeten, deren Umlaufbahnen oder Schiffen“, sagte sie.

„So dann bleibt uns nur noch die fünfundzwanzigste Explosion. Mr. Müller: Vergrößern Sie die Entfernung zum Zentralcomputer auf sichere Reichweite und laden Sie den Phaser.“

„Aye, Sir. Phaser geladen und setze Kurs.“

Sanchez winkte Berger heran.

„Wir sind da, Sir. Alles fertig.“ sagte Müller.

Sanchez gab Berger ein Zeichen: „Ich glaube, Ihnen gebührt die Ehre, Fähnrich.“

Berger nickte und strahlte. „Feuer frei!“

Phaserstrahlen schossen aus dem Bug des Shuttles und trafen auf die Oberfläche des Objektes, welches den ehemaligen Zentralcomputer für die Minen enthielt. Die Phaserstrahlen schnitten durch und nach kurzer Zeit und einer kleinen Explosion trieben nur noch Einzelteile durch den Weltraum.

„Das wär's. Mr. Müller: Nehmen Sie Kurs auf die Cousteau. Volle Impulskraft!“

„Aye, Sir!“, sagte Müller.

Sanchez lehnte sich in seinen Sessel zurück und betrachtete entspannt den Weltraum.

10

Logbuch der Cousteau, Sternzeit 21177.3, Commander Spencer: [04.03.2344 21:24:12]:

Sowohl Commander Thola als auch Commander Sanchez sind mit ihren Teams erfolgreich von ihren Missionen zurückgekehrt. Chefingenieur Sanchez‘ Bericht zufolge haben sie alle Minen zerstört, wobei Fähnrich Berger eine Belobigung für seine Leistungen verdient hat. Commander Thola berichtet von nur mäßigen Verwüstungen auf Kaus V, nur eine mögliche Strahlenverseuchung einer größeren Region durch eine verlassene Tzenkethi-Basis wirft weitere Probleme auf.

Spencer deaktivierte das Aufzeichnungsgerät in seinem Quartier und legte sich wieder hin, um zu schlafen, doch er wurde sofort durch das Intercom gestört.

„Sanchez an Captain!“

Spencer drehte sich mürrisch um, stand auf und beantwortete den Ruf des Intercoms. „Ja, Spencer hier!“

„Captain, Mr. DeFalco hat einen interessanten Lösungsansatz für das Verseuchungsproblem. Wir bräuchten noch ihre Zustimmung.“

„Ist gut. Ich bin sofort unten. Spencer Ende“, murmelte er schlaftrunken, zog sich die Uniform über und verließ sein Quartier Richtung Turbolift.

„Deck 9“ war sein Ziel. Die Türen öffneten sich und er sah auch sofort Sanchez, DeFalco und noch zwei weitere Ingenieure sowie Fähnrich Berger in angestrengter Diskussion.

„Hier bin ich. Was gibt's denn so mitten in der Nacht?“, platzte er in die Unterhaltung.

„Ich habe eine Idee, wie wir ohne großen Aufwand den Strahlungsaustritt stoppen könnten“, sagte DeFalco.

„Ja?“ Spencer wurde leicht unwirsch.

„Wir beamen den Generator da raus“, sagte er nur.

„Frachtraum 2 mit den Stasiskammern und den Kraftfeldvorrichtungen?“, fragte Spencer, der schnell begriffen hatte, worauf DeFalco hinauswollte.

„Genau“, antwortete DeFalco und fuhr fort: „Danach vaporisieren wird die Energieleitungen und säubern wir das Areal mit einigen Ladungen Strahlungsnullisierern. Fertig.“

„Was meinen Sie mit ‚vaporisieren‘? Und vor allen Dingen, wie wollen sie das bewerkstelligen?“, fragte Spencer.

Fähnrich Berger ergriff das Wort: „Ganz einfach, Sir. Die Leitungen an sich bestehen nur aus Bormanit, sind aber sehr gut isoliert. Da diese Isolation den Tricorderwerten zufolge mehr aushält, als die Leitungen selbst, brauchen wir nur unsere Handphaser auf ein entsprechendes Niveau einzustellen, so dass die Leitungen erhitzt und überhitzt werden, nicht aber die Isolation verdampft wird.“

„Ich verstehe. Nachdem die Leitungen verdampft sind, gibt es auch kein Strahlungsproblem mehr. Hört sich ja sehr gut an. Ich werde mal drüber nachdenken“, sagte Spencer. „Und Sie alle ruhen sich erstmal richtig aus!“ Das ging an die Adresse von Sanchez und Berger, die ja gerade erst von der Shuttlemission zurückgekommen waren. Spencer bewegte sich zurück in sein Quartier und hoffte, diesmal ungestört schlafen zu können.


Nach einer eher unruhigen Nacht betrat er am nächsten Morgen die Brücke, um die erste Wache zu übernehmen. Er übernahm das Kommando von Hellmann, der froh war, sich zurückziehen zu dürfen. Nach und nach kamen auch die üblichen Offiziere der ersten Schicht und, wie Spencer bereits erwartet hatte, DeFalco.

„Guten Morgen, Captain. Und? Nachgedacht?“, fragte er provokativ.

„Nichts übereilen, Gerry“, antwortete er und rief Coreman über Intercom.

„Hier Coreman. Sie haben Glück, Captain.“

„Wieso?“

„Ich stehe hier im Transporterraum und wollte mich gerade auf die Verhandlungsinsel beamen lassen.“

„Würde es Ihnen etwas ausmachen, für einige Stunden auf die Cousteau zu verzichten? Wir müssen auf Kaus V etwas richten.“

„Ungern, um ehrlich zu sein. Würden Sie mir für die Zeit wenigstens ein Shuttle zur Verfügung stellen?“, fragte Coreman nach einiger Überlegung.

„Wieso kommt der Shuttleflug eigentlich wieder so in Mode, Captain?“, fragte DeFalco.

Spencer ignorierte ihn. „Also gut, Mr. Coreman. In wenigen Minuten wird ein Shuttle zum Planeten unterwegs sein.“

„Danke, Sir.“

Spencer schloss den Kanal zu Coreman und öffnete einen anderen: „Spencer an Shuttlerampe!“

„Hier Fähnrich Jara, Sir.“

„Fähnrich, Lt. Coreman braucht ein Shuttle auf dem Planeten! Sorgen Sie dafür, dass sofort eins zur Insel startet.“

„Aye, aye, Sir“, antwortete sie.

„Danke, Spencer Ende.“

DeFalco murmelte: „Hmm... Fähnrich Jara. Sie ist so...“

Spencer drehte sich um und bedachte ihn mit einem durchdringenden Blick: „Gerry! Also wirklich!“

„Entschuldigung, Sir.“

Spencer atmete tief durch. „Bereite alles vor und mach‘, dass du hier raus kommst!“

„Aye, Sir!“ DeFalco zog sich wieder zurück und freute sich darüber, dass es ihm wieder einmal erfolgreich gelungen war, seinen Freund und Kommandanten zu ärgern.

Spencer ließ sich von Hwang den Bericht über die Ereignisse des vorherigen Tages geben und rief den Kurzbericht von Hellmann über seine Schicht ab. An beiden gab es nichts auszusetzen.

Ein wenig später erstattete die Shuttlerampe Bericht, dass ein Shuttle zur Insel unterwegs sei und direkt im Anschluss erfolgte die Meldung vom Transporterraum, dass die Botschafter und der Sicherheitstrupp sicher unten angekommen wären.

Spencer überlegte kurz und befahl dann: „Miss Hwang: Setzen Sie Kurs auf Kaus V mit voller Impulskraft!“

„Aye, Sir!“ Hwang klang ein wenig überrascht, führte aber den Befehl aus und meldete nach kurzer Flugzeit: „Wir haben Kaus V erreicht. Standardorbit, Sir?“

„Nein, halten sie geosynchronen Orbit über...“ Spencer brach ab und schaute kurz in Tholas Bericht, „... Koordinaten 92°, 16°“

„Ja, Sir.“ Hwang gab dennoch Standardorbit ein und machte sich dann daran, die Parameter für einen geosynchronen Orbit zu berechnen.

Spencer kontaktierte den Maschinenraum und fand Sanchez am Intercom vor. „Mr. Sanchez, alles fertig?“

„Ja, Sir. In Frachtraum 2 ist alles vorbereitet, die Materialien für die Mission sind bereit und ich habe fünf Strahlungsnullisierer in Sondengehäuse der Klasse III einbauen lassen. Könnten Sie trotzdem mal zu mir kommen?“

Spencer fiel auf, was in der Meldung fehlte und dachte auch daran, dass es ziemlich gefährlich sei, mit den Phasern in strahlenverseuchter Luft herumzuschiessen. Er übergab Hwang die Brücke und machte sich schnell auf den Weg.

Sanchez empfing ihn und zog Spencer in eine abgelegene Ecke des Maschinenraums, hinter den Warpreaktor.

„Sir, gut dass sie da sind. Ich habe Jones in Frachtraum 2, ich weiß aber nicht, wen ich da runterschicken soll. Sie kriegen zwar Strahlenschutzanzüge, aber es ist und bleibt nunmal gefährlich.“

Spencer nickte zustimmend. „Kann ich mir gut vorstellen.“ und fügte hinzu, da er ahnte, was Sanchez als nächstes sagen würde. „Freiwillige?“

„Das ist es ja. DeFalco und Berger.“

Spencer blickte ihn an. „Ich verstehe. Schicken Sie sie runter. Sie wissen, was sie tun.“

„Sind sie sicher?“

Spencer nickte deutlich: „Ganz sicher. Auch wenn Berger am liebsten jeden Tag eine Heldentat vollbringen würde.“

„Danke, Sir.“ In Sanchez' Stimme schwang ein hörbares Maß Erleichterung mit.

Spencer ging wieder auf die Brücke. Bisher hatte er Sanchez immer als ‚Kein-Problem‘-Ingenieur kennengelernt, allerdings gab es bisher auch im Allgemeinen wenig zu tun für den Maschinenraum, da bisher nichts Nennenswertes beschädigt wurde, so dass er Sanchez praktisch kaum kannte. Aber nun zeigte dieser plötzlich ‚Kommandoqualitäten‘, wie es Spencers früherem kommandierenden Offizier, Captain Joyce, bei Spencer selber auch aufgefallen war, als er als Chefingenieur unter ihr auf der Enterprise-B diente. Er erinnerte sich an seine ersten Wochen als Zweiter und Leitender Offizier auf der Brücke der Enterprise, nachdem er von der Ingenieursabteilung auf die Kommandoebene gewechselt war. Er war sich sicher, dass er Sanchez eine ähnliche Gelegenheit geben würde, obwohl er bisher kein nennenswertes Interesse an einer Anwesenheit auf der Brücke gezeigt hatte, trotz seines offiziellen Ranges eines Lieutenant Commander und der Tatsache, dass er in den Akten als Zweiter Offizier der Cousteau geführt wird.

Gerade als er diesen Gedanken zu Ende gedacht hatte, traf er auch schon auf der Brücke ein. Jones und Sisota meldeten ihm, dass sie für den Transport des Generators bereit sind, und dass Lt. DeFalco und Fähnrich Berger im Transporterraum in Strahlenschutzanzügen bereit stehen. Er befahl dem Computer, diese Kanäle geöffnet zu halten.

Spencer schloss die Augen und sprach das Signal ins Intercom: „Mr. Jones: Energie!“

„Transport wird durchgeführt.“ Das Summen des Transporters war sogar durch das Intercom zu hören. „Transport abgeschlossen. Stasis in Funktion, Kraftfelder aktiv. Beginne Sensorscan. Sensorscan zeigt keine Strahlungserhöhung außerhalb der Kraftfelder“, meldete Jones mit abgehackten Sätzen und Satzfetzen durch das Intercom.

„Danke, Mr. Jones. Transporterraum: Transportgenehmigung erteilt. Viel Glück!“.

„Transport abgeschlossen. Ich halte sie weiterhin erfasst“, meldete Sisota nach wenigen Sekunden aus dem Intercom.


Berger und DeFalco materialisierten im ehemaligen Generatorraum. Beide zogen sofort ihre Tricorder hervor und begannen mit den Scans. Berger überprüfte den Strahlungsgehalt und die Strahlungsart und DeFalco bestimmte die Phaserresistenz der Leitungen und ihrer Isolierungen genau und adjustierte seinen Phaser entsprechend. Berger meldete, dass sie sicher wären für fünf Minuten, es dann aber gefährlich würde, trotz ihrer dicken Strahlungsanzüge.

DeFalco befahl Berger, seinen Phaser auf Stufe 7 zu stellen und auf ein Zeichen feuerten beide auf die Leitungen. Es funktionierte, die Leitungen wurden extrem stark erhitzt, die Isolierung jedoch hielt. Sie pumpten immer mehr und mehr Energie hinein, bis die Leitungen erst dunkelrot glühten, dann alle Rottöne durchliefen, bis sie schließlich gelb, dann hellgelb und zuletzt weiß glühten. Zuerst wurde nur die Stelle erhitzt, die sie beschossen, dann aber begann sich die Hitze schnell auch durch das gesamte Leitungssystem zu verteilen, da Bormanit ein guter Wärmeleiter war.

Der Raum füllte sich langsam mit dichtem Qualm und nach und nach verloren sie die Sicht. „Wir müssen abbrechen!“, keuchte Berger.

Nach einigen weiteren Sekunden stellte DeFalco sein Phaserfeuer ein und tastete nach dem Kommunikator an seinem Gürtel, weil die Sicht durch den Rauch jetzt praktisch gleich Null war. Er machte sich nicht die Mühe, ihn zu öffnen, sondern drückte nur auf einen speziell für diesen Zweck vorgesehenen Knopf.


Spencer saß ungeduldig auf der Brücke, als er plötzlich Sisota aus dem Intercom hörte: „Sir, ich erhalte ein Notsignal von Lt. DeFalco. Ich hole sie herauf.“

„Und errichten Sie ein Kraftfeld! Ihre Anzüge sind mit Sicherheit strahlenverseucht.“

„Aye, Sir. Ich habe sie. Kraftfeld ist errichtet. Ich materialisiere sie. Sie sind da“, kommentierte Sisota seine Arbeit, auf ähnliche Weise wie es vorhin Jones getan hatte.

Spencer atmete tief durch. „Danke. Kümmern sie sich um die Entgiftung.“

„Aye, Sir“, bestätigte Sisota.

„Miss Hwang. Feuern Sie die Strahlungsnullisierer ab. Die Koordinaten bekommen Sie von Sanchez.“

„Ja, Sir.“ Hwang drückte einige Tasten und bat den Maschinenraum um die Koordinaten, die sie für die idealen Zielpositionen berechnet hatten. Dann gab sie diese Koordinaten als Ziel ein und feuerte die Sonden, die mit einer Ladung Strahlungsnullisierer bewaffnet waren, auf die Oberfläche von Kaus V.

Er drehte sich um und wollte „Meldung!“ sagen, unterließ dies jedoch, als er feststellte, dass die Wissenschaftsstation unbesetzt war. Er ärgerte sich darüber, aber es fiel ihm ein, dass er Thola und eigentlich auch allen anderen nach den anstrengenden Shuttlemissionen einen Tag freigegeben hatte (obwohl Sanchez, Jones und Berger schon wieder sehr fleißig aktiv waren) und dass er selbst wohl vergessen hatte, Hellmann mitzuteilen, noch jemand anderen für den Dienst einzuteilen.

Kurzerhand stand er auf, setzte sich hinter die Wissenschaftskonsole und begann, Scannerdaten über das Strahlungsniveau zu empfangen. Zuerst war durch den Beschuss der Leitungen noch weitere dichte Strahlung freigesetzt worden, jedoch begannen die fünf Nullisierersonden damit, alle schädliche Strahlung aus der Luft zu filtern. Er sah, dass vier der Sonden rautenförmig um die Basis in den Boden gedrungen waren und die fünfte die Decke der Basis durchschlagen hatte, um die Luft innerhalb der Basis zu säubern. Er ließ eine Computerprojektion anfertigen, wann die Nullisierer verbraucht wären, wann das Strahlungsniveau sich den Normalwerten angeglichen hätte und war recht zufrieden mit den Werten.

Er wollte gerade aufstehen, als ihm noch etwas anderes einfiel. Er rief den Bericht Tholas ab, den er gestern nur flüchtig durchgesehen hatte und ließ sich die anderen verstrahlten Areale anzeigen, sechs an der Zahl. Er kontaktierte Sanchez: „Mr. Sanchez, wie viele Nullisierer haben wir noch?“

„Vier, Sir.“

„Wo wir schon mal da sind, werden wir auch gleich die anderen, geringer verstrahlten Gebiete säubern. Replizieren Sie noch zwei und pflanzen Sie sie ebenfalls in Sonden ein. Wie lange brauchen Sie?“

„Sir, wir haben keine entsprechenden Sonden mehr. Das waren alle Klasse III Sonden, die wir hatten. Aber...“ Sanchez brach ab und schien zu überlegen.

„Ja, Mr. Sanchez?“

„Ich könnte unsere Klasse V Sonden mit Nullisierern ausrüsten und diese weich landen lassen.“

„Dann tun Sie das“, bestimmte Spencer.

„Ich brauche einige Zeit für die Vorbereitungen.“

„Melden Sie sich, wenn Sie fertig sind.“

Spencer schloss den Kanal und entschied sich, Tholas Bericht in Ruhe durchzusehen, jetzt, wo er gerade hier saß. Er hatte die erste Seite gelesen, als ihn ein Ruf von der Krankenstation erreichte. „Was gibt's, Doktor?“, fragte er.

„Ich habe Lt. DeFalco und Fähnrich Berger untersucht. Beide wiesen nur minimale Verstrahlungen auf. Ich habe sie behandelt. Sie sind wieder dienstfähig, wohl aber schlafbedürftig. Die Schutzanzüge wurden vorschriftsmäßig vernichtet“, meldete M'Boya.

„Danke, Doktor. Wenn das so ist, dann schreiben Sie bitte beide für mindestens einen Tag dienstunfähig. Anders sind sie nämlich anscheinend nicht zum Ausruhen zu bringen“, brummte Spencer.

M'Boya hörte sich verwundert an, aber sie bestätigte: „Mache ich, Sir.“

Spencer schloss den Kanal und hörte ein leises Kichern Hwangs. Er begann selber zu schmunzeln, ließ sich aber nicht beirren und fuhr mit der Durchsicht des Berichtes fort.

Sanchez kam eine halbe Stunde später auf die Brücke und fand Spencer immer noch an der Wissenschaftskonsole vor. „Sir?“, fragte er ihn verblüfft.

„Ich habe nicht meinen Job gewechselt, Mr. Sanchez, ich sehe nur Tholas Bericht durch“, meinte Spencer trocken. „Sind Sie fertig?“

„Ja, Sir. Sonden sind abschussbereit.“

„Miss Hwang?“, richtete Spencer seine Aufforderung an den Flugoffizier und übermittelte die Koordinaten.

„Aye, aye, Sir“, war ihre prompte Antwort. Mit einem Tastendruck schoss sie die Sonden ab. Spencer aktivierte den Sensorenmonitor und verfolgte den Flug. Alle Sonden landeten weich und sicher auf den vorgegebenen Plätzen.

„Mr. Sanchez?“, Spencer brauchte Sanchez nicht mehr mitzuteilen und vertiefte sich wieder in den Bericht, nicht jedoch ohne die Sensoren aus den Augen zu lassen.

Sanchez setzte sich an Terminal II und begann, den Sonden den Code für das Abwerfen der Nullisierereinheiten zu übermitteln. Danach befahl er dem Transporterraum, die Sonden wieder an Bord zu beamen.

„Wir sind fertig“, meldete Sanchez. „Keine Probleme!“

Ein abschließender Blick auf die Sensoren ergab, dass der Großteil der Strahlung in zwei Tagen abgebaut sein würde, und dass die restliche Strahlung keinerlei Gefahr mehr darstellte.

Spencer gab Hwang das Kommando, wieder zu Kaus VI zurückzufliegen. Coreman zeigte sich höchst erfreut über die Rückkehr der Cousteau.

11

Logbuch der Cousteau, Sternzeit 21189.6, Commander Spencer: [09.03.2344 09:26:47]:

Nach nur sechs Tagen konnte Botschafter Saran die Verhandlungen erfolgreich abschließen. Das Kaus-System wird von beiden Völkern nun als eine Art ‚neutrales System‘ angesehen. Die Delegierten der Tzenkethi sind bereits abgereist. Sobald Lieutenant Coreman mit seinem Team die Installationen auf der Oberfläche abgebaut hat, werden auch wir mit der Diplomatendelegation zu Sternenbasis 53 zurückkehren. Der Grund für die Transporterprobleme auf Kaus V hat sich leider im Rahmen unserer Strahlenbekämpfungsmaßnahmen im wahrsten Sinne des Wortes in Rauch aufgelöst.

Spencer war froh, endlich diesen Logbucheintrag machen zu können, da sich in den letzten vier Tagen nichts Nennenswertes ereignet hatte.

Die Brücke glänzte wieder durch Idealbesetzung und Spencer wartete auf eine Vollzugsmeldung Coremans, der gerade noch mit zwei Helfern die Kraftfeldinstallationen auf der Insel beseitigte.

„Die Andorianer verlassen den Orbit und bedanken sich ausdrücklich bei Botschafter Saran“, meldete Thola.

„Leiten Sie es weiter“, antwortete Spencer. Eigentlich müsste sich Saran bei den Andorianern bedanken, weil sie das Kaus-System praktisch abgetreten hatten, um den Frieden zu sichern, so dachte Spencer.

„Transporterraum an Brücke! Mr. Coreman ist mit seinem Team hier. Sie melden Vollzug“, erreichte Spencer ein Bericht des Transporterchiefs über Intercom.

„Danke, Mr. Sisota.“

„Miss Hwang: Wir verlassen den Orbit. Nehmen Sie Kurs auf Sternenbasis 53!“

„Aye, Sir.“

Die Cousteau schwebte aus dem Orbit und verließ das System.

Botschafter Weissenberg trat zusammen mit Botschafterin Fergun aus dem Turbolift.

„Ich hoffe wir stören nicht, Mr. Spencer?“, fragte Weissenberg. Spencer verneinte.

„Wir sind bereit, auf Warp zu gehen, Sir!“, meldete Hwang.

„Warp 5 und Energie!“

Hwang aktivierte den Warpantrieb und verzichtete auf eine Rückmeldung. Auf dem Hauptschirm schossen die Sterne, die gerade ihre Position zu halten schienen, auf die Cousteau zu und verwandelten sich für kurze Zeit in einen Strom wirbelnder Lichter, bis das Schiff die Geschwindigkeit von Warp 5 vollständig erreicht hatte. Jetzt stellten sie eine Reihe schillernder Bänder dar, die mit hoher Geschwindigkeit am Schiff vorbeizogen.

„Das wollte ich immer schon mal sehen“, sagte Botschafterin Fergun leise und ergriffen.

Spencer drehte sich zu ihr um: „Für eine bessere Sicht empfehle ich immer das vordere Aussichtsdeck auf Deck 3. Dort haben sie den vollen Überblick.“

Sie nickte und lächelte Spencer erfreut zu. „Vielen Dank.“

Weissenberg schob Fergun sanft in den Turbolift zurück. Als sich die Türen geräuschvoll schlossen, atmete Spencer tief durch, lehnte sich in seinen Sessel zurück und widmete sich wieder dem Missionsbericht, der noch eines Feinschliffs bedurfte.